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Nicht-infektiöse Hautstörungen

Die Ursachen nicht-infektiöser Hautstörungen sind vielfältig. Sie zu klassifizieren ist nicht ganz einfach, zumal es auch eine Reihe unbekannter oder nur mußmatlicher Ursachen gibt ebensowie Hautstörungen mit multifaktoriellen Geschehen. Nicht-infektiöse Hautstörungen können ererbt oder angeboren, immunvermittelt (allergisch), hormonell bedingt oder umweltbedingt sein. Übrig bleibt eine Reihe von Hautstörungen, die man eigentlich nur lose aufzählen kann. Die Zuordnung bestimmter Hautstörungen zu den genannten Ursachen wird von verschiedenenen Autoren zum Teil sehr unterschiedlich gehandhabt. So findet man z.B. die Kontaktdermatitis manchmal unter immunvermittelt und manchmal unter umweltbedingt, die Photosensibilität manchmal unter immunvermittelt, aber auch unter umweltbedingt oder völlig separat. Also steinigt uns nicht, wenn ihr hier da auf Widersprüche zu euch vorliegenden Informationen stößt.

Ererbte oder angeborene Hautstörungen

Ererbte oder angeborene Hautstörungen sind überwiegend bereits bei der Geburt vorhanden und bedeuten mangels Therapie meistens den Tod des Fohlens. So fehlt entweder an ganzen Körperpartien die Epidermis (Epitheliogenesis imperfecta), die Haut ist stark verhornt und deshalb auch haarlos (Kongenitale Ichtiose), die Haut ist normal aber haarlos (Kongenitale Alopezie), Haut, Fell und Iris sind ganz oder teilweise pigmentlos (Albinismus) oder die Haut ist dünn, läßt sich leicht vom Körper abheben und neigt zu Verletzungen (Hyperelastosis cutis oder Dermatoparaxis).

Immunvermittelte Hautstörungen

Die bekanntesten immunvermittelten Hautstörungen oder Hautallergien sind das Sommerekzem und das Nesselfieber (Urtikaria). Immunvermittelt bedeutet, daß das Immunsystem eigentlich harmlose Fremdstoffe in einer überschießenden Reaktion zu bekämpfen versucht.

Über das Sommerekzem ist so viel geschrieben worden, daß wir hier erst einmal auf weitere Ausführungen verzichten wollen. Zudem gibt es unter Krankheiten eine separate Seite zum Sommerekzem in Ofsi-Online.

Das Nesselfieber (Urtikaria) auch als Nesselausschlag oder Nesselsucht bezeichnet ist gekennzeichnet durch spontanes Auftreten von Quaddeln auf der Haut. Diese können über den ganzen Körper verteilt sein, meistens aber bevorzugt der Kopf- und Halsbereich, der Bauch und die Unterseite der Schweifrübe. Bei stark betroffener Kopf- und Halsregion besteht die Gefahr, daß die inneren Schleimhäute auch angeschwollen sind, was eventuell zu Atembeschwerden führen kann. Oberhaut und Haare bleiben intakt. Letztere können sich aber aufstellen. Es besteht anfangs kein Juckreiz. Die Quaddeln können sich in ihrer Form verändern und auch in großflächige Formen zusammenfließen. Mit zunehmener Dauer können die Quaddeln größer werden und es kann Serum austreten, welches verkrustet und Juckreiz erzeugt. Für den Ausbruch des Nesselfiebers müssen offensichtlich zwei Voraussetzungen gegeben sein. Zum einen eine gewisse genetische Disposition und zum anderen der Kontakt mit einem auslösenden Umweltfaktor, der aus dem Stich einer Pflanze - bekanntester Vertreter ist hier die Brennnessel, womit klar ist, woher diese Hautstörung ihren Namen hat -, einem Insektenstich, bestimmten Inhaltsstoffen von Futtermitteln oder Arzeimitteln bestehen kann. Es werden aber auch psychische Faktoren wie Errregungszustände oder unspezifische Hautreizungen angeführt. Die ganze Reaktion kommt zustande, weil bestimmte Immunzellen der Haut, die sog. Mastzellen, auf bestimmte Stoffe überreagieren und in großem Umfang Histamin aussschütten. Normalerweise klingt das Nesselfieber wieder innerhalb weniger Stunden bis Tage von alleine ab. Es hinterläßt selten Spuren und es wiederholt sich auch nur selten. Bei Verdacht auf eine Reaktion auf bestimmte Futter- und Arzneimittel sind diese abzusetzen bzw. durch andere zu ersetzen. Zur Beschleunigung des Abklingens des Nesselfiebers werden lokales Kühlen der betroffenen Stellen mit kaltem Wasser, Coolpads oder Eisbeuteln, das lokale Auftragen antihistaminhaltiger Salben und Lotionen und das Einreibung mit Essigwasserlösung empfohlen. Zur Beruhigung und Normalisierung des Immunsystems wird auch die Gabe von Traubenkern-, Leinsamen- und äqytischem Schwarzkümmelöl empfohlen. Bei schwereren und langanhaltendem Nesselfieber hat der Tierarzt die Wahl zwischen Calcium-Infusionen, Antihistaminika, Cortisone oder parental (intravenös, intramuskulär, subkutan) verabreichter Homöophatika (Apis, Calcium carbonicum Hahnemanni und Urtica urens).

Ebenfalls allergischen Ursprungs ist eine Hauterkrankung, welche unter vielen Namen läuft: Photosensibilität, Sonnen- oder Photoallergie, Dermatitis solaris. Die Krankheit wurzelt in einem zu viel an Sonnenlicht bzw. der darin enthaltenen UV-Strahlung. Sie unterscheidet sich vom einfachen Sonnenbrand (Ekzema solare), der als Verbrennung rein umweltbedingt anzusehen ist, durch das Vorhandensein auslösender Katalysatoren mit photosensibilisierenden Inhaltstoffen in Form bestimmter Pflanzengattungen wie z.B. Johanniskraut, Buchweizen, Wicken, Luzerne, Schwedenkraut, Kleie, Bärenklau, Jacobskraut, bestimmte Klee- und Kohlsorten oder auch einiger Chemikalien (Phenothiazin). Wenn diese Inhaltsstoffe vom Körper aufgenommen unverändert die Haut erreichen, können sie durch Licht einer bestimmten Wellenlänge aktiviert werden und die für die Photosensibilität typischen Hautreaktionen auslösen. Neben dieser primären Photosensibilität, welche durch exogene Stoffe ausgelöst wird, gibt es noch die hepatogene Photosensibilität, bei der bestimmte Stoffwechselprodukte - Abbauprodukte des Chlorophylls, Phylloerythroine - aufgrund von Leberschädigungen nicht abgebaut werden können. Erreichen diese Stoffwechselprodukte über die Blutbahn die Haut, können sie als endogene Katalysatoren eine Photosensibilität auslösen.

Erste Anzeichen einer Photosensibilität ist eine lokal erwärmte, schmerzhafte und gerötete Haut. Bevorzugt betroffen sind die Hautpartien, welche nur dünn behaart oder unpigmentiert sind. Besonders gefährtet sind daher Albinos, helle Füchse und Schimmel sowie alle Pferde mit weißen Abzeichen. Im weiteren Verlauf kann es zu Ödembildungen mit Serumexudation kommen. Häufig geht hierbei Juckreiz einher. In schweren Fällen können Blasen entstehen und sich Nekrosen entwickeln. Im Spätstadium häuten sich große Teile der geschädigten Hautpartien. Bei Eintritt von Bakterien in die geschädigte Haut kann eine Pyodermie entstehen. Bei einer hepatogenen Photosensibilität können sich auch Symptome einer Hepatoenzephalopathie zeigen.

Die Diagnose erfolgt anhand des klinischen Bildes. Zusätzlich sollten die Leberwerte überprüft werden. Die Behandlung besteht im Aufstallen, Einreibungen mit lebertran-oder Silbersulfadiazin-haltigen Salben und dem Verhindern der weiteren Aufnahme photodynamischer Stoffe. Für letzteres ist häufig eine Weidebegehung oder eine Heuuntersuchung sinnvoll, um mögliche photodynamische Stoffe zu identifizieren. Durch Laxieren kann versucht werden, die Aufnahme weiterer photodynamischer Stoffe aus dem Darm zu unterbinden. Zur Verhinderung einer Sekundärinfektion empfieht sich insbesondere bei großflächigen Hautveränderungen der Einsatz systemischer Antibiotika.

Die Kontaktdermatitis oder -allergie tritt nach Berührung der Haut mit sensibilisierenden Stoffen auf. Dazu gehören Chrom-, Kobalt-, Zink- und Nickelverbindungen. Das Spektrum von Dingen rund ums Pferd, in denen diese Verbindungen vorkommen, ist weit gespannt: in Imprägnierungsmitteln von Weidezaunpfosten, in Gebissen, in Arzneimitteln (z.B. Analgetika), in Wasch-, Reinigungs- und Konservierungsstoffen, die in Pferdesalben oder -lotionen Eingang finden, in Lederölen, in Insektenschutzmitteln, in Farbsubstanzen von Reithosen oder Satteldecken, in Farbanstrichen, in alten Eisenbahnschwellen, in der Einstreu u.v.m. Die Kontaktdermatitis ist gekennzeichnet durch Ausfallen der Haare gefolgt von Schwellungen und Entzündungen mit Wund- und Krustenbildung und Nässen der Haut. Durch Druck und Schmutzpartikel vorbelastete Hautpartien (Sattel- und Gurtlage, Kopfregion) sind bevorzugt. Auch die innere Haut (Nasen- und Mundschleimhäute) kann betroffen sein. Die Diagnose ist sehr schwierig, da das Krankheitsbild vielen anderen Hauterkrankungen ähnelt und auch kombinierte Hauterkrankungen auftretenden. Eine bakteriell- oder pilzinfektionsgeschädigte Haut ist eben empfänglicher für Allergene und vice versa. Die Behandlung besteht im Suchen, Auffinden und Entfernen aller in Betracht kommender Auslöser im Stall und auf der Weide. Bringt die Beseitigung aller möglicher Auslöser keinen Erfolgt, verbleibt theoretisch nur eine Blutuntersuchung auf mögliche auslösende Stoffe, die mit der Beseitigung möglicher erkannter potentieller Auslöser nicht dabei waren. Theoretisch deshalb, weil es einfach zu viele Inhaltsstoffe gibt, auf die untersucht werden müßte. So beinhaltet z.B. eine teerölimprägnierte Bahnschwelle allein bis zu 10000 solcher Stoffe. Praktisch hilft dann nur ein Stallwechsel.

Eine seltene vermutlich u.a. auch immunvermittelte Erkrankung ist der Haarausfall (Alopezie). Haarlosigkeit auf vernarbten Wunden beruht auf der Zerstörung der Haarbälge und ist insoweit als normal anzusehen. Haarausfall bei intakter Haut begrenzt an einzelnen Stellen (Alopezia areata) oder großflächig über das ganze Pferd verteilt (Efffluvium) ist als Erkrankung anzusehen. Als Ursachen werden neben allergischen Reaktionen auch Infekte, Stoffwechselstörungen, chronische Vergiftungen, Mangelerscheinungen, psychische Faktoren wie Schock und Stress genannt. Eine Behandlung ist nicht bekannt und auch nicht erforderlich. Nach zwei bis drei Monaten wachsen die Haare nach und nach dem nächsten Fellwechsel ist nichts mehr zu sehen.

Weitere Hauterkrankungen, welche als möglicherweise immunvermittelt gelten, sind die unilaterale papuläre Dermatose, die Erythema multiforme, die atopische Dermatitis, die Futterallergie, das eosinophile Granulom, die sarkoidoseartige Dermatitis, der Pemphiguskomplex sowie die Immunkomplexerkrankung der Hautgefäße. Teilweise handelt es sich auch um Allgemeinerkrankungen mit Auswirkung auf die Haut. Das Spektrum reicht von selten bis sehr häufig, von harmlos bis tödlich. Glücklicherweise korreliert häufig mit harmlos. Harmlos bedeutet in dem Fall, daß die Hautveränderungen nach gewisser Zeit ohne Folgewirkungen wieder von selber verschwinden. Auf eine Einzeldarstellung der genannten Erkrankungen wird verzichtet, weil das hier langsam aber sicher einfach zu viel wird.

Hormonell bedingte Hauterkrankungen

Die bedeutendste hormonell oder endokrinologisch bedingte Hauterkrankung ist Folge des Equinen Cushing Syndroms (ECS) oder kurz des Cushings, bisweilen auch Hyperadrenokortizismus genannt. Diese Allgemeinerkrankung beruht auf einem veränderten Ausschüttungsverhalten der Hirnanhangsdrüse bezüglich des Hormons ACTH. Eines der Leitsymptome für diese Erkrankung besteht in einem unnatürlichen langen lockigen Fell, das nur verzögert oder überhaupt nicht gewechselt wird (Hirsutismus). Zur Diagnose kann ein ACTH-Bluttest oder ein sog. Dexamethason-Suppressionstest herangezogen werden. Eine direkte Behandlung des Hirsutismus ist nicht möglich. Durch Scheren kann versucht werden dem Pferd Erleichterung zu verschaffung. Das ECS selber kann durch den lebenslangen Einsatz des Medikaments Pergolid in seinen Fortschreiten und seinen Auswirkungen verlangsamt bis gestoppt werden.

Umweltbedingte Hauterkrankungen

Zu den umweltbedingten Hauterkrankungen gehören alle Hauterkrankungen aufgrund mechanischer (Verletzungen), thermischer (Verbrennungen) oder chemischer Einwirkungen. Manchmal wird hier auch die Kontaktdermatitis aufgeführt.

Offene Verletzungen der Haut (Wunden) sind gekennzeichnet durch Blutungen, Entzündungen, Austritt von Gewebsflüssigkeit und Schmerzempfindlichkeit. Sie reichen von der oberflächlichen Abschürfung (Abrasio, Erosion) der Haut, dem offenen Druck bis hin zum vollständigen Durchdringung der Haut in Form von Stich-, Schnitt- und Rißwunden. Abschürfungen verheilen meistens ohne Probleme und Narbenbildung. Stichwunden sind gefährlich, weil sie sich meistens an der Oberfläche schließen und eingedrungenen aneroben (unter Sauerstoffausschluss lebende) Erregern somit den idealen Nährboden liefern, so daß die Gefahr eines Einschußes oder Phlegmone besteht (eiterige Entzündung des Unterhautbindegewebes, welche sich sehr schnell bildet und sich durch wulstartiges Hervortreten der Haut gegenüber der nicht betroffenen Haut auszeichnet. Wärme und Druckschmerzempfindlichkeit sind weitere Symptome). Da hierzu auch der Tetanuserreger gehört, ist eine vorbeugende Tetanusimpfung unumgänglich. Zusätzlich sollte die Stichwunde gesäubert und desinfiziert werden. Um den Sauerstoffabschluss zu vermeiden, kann es sinnvoll sein, die Stichwunde weiter zu öffnen bzw. ihren oberflächlichen Verschluss zu verlangsamen (z.B. durch desinfizierende Spülungen). Schnittwunden hinterlassen glatte Wundränder. Eine zeitnahe Wundnaht beschleunigt die Wundheilung und verhindert eine Narbenbildung. Diese gilt insbesondere für Schnittwunden, welche aufgrund ihrer Lage Zug ausgesetzt sind, da hier die Wundränder auseinanderklaffen und die Lücke unweigerlich zu einer Narbenbildung führt. Auch besteht hier die Gefahr von wildem Fleisch. Rißverletzungen durch Stacheldraht, herausstehende Nägel etc. führen zu schlecht heilenden Wunden, die meistens unschöne Narben hinterlassen, weil die Wundränder anstatt glatt gequetscht, überdehnt oder absterbend sind.

Unabhängig von der Art der Verletzung gilt, daß tiefe Wunden unbedingt dem Tierarzt vorgestellt werden müssen. Nur er kann feststellen, ob Sehnen, Knochen, Gelenke oder gar Organe in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Gleiches gilt für stark blutende Wunden. Arterielle Blutungen - erkennbar an hellrotem Blut - müssen durch einen festen Druckverband oder notfalls durch Abdrücken mit dem Finger gestoppt werden, soweit es kleinere Blutgefäße sind. Sind größere Gefäße an den Gliedmaßen betroffen, ist eine Abbindung herzwärts erforderlich. Venöse Blutungen - erkennbar an dunkelrotem Blut - lassen sich im Notfall bereits mit Wicklungen von Toilettenpapier stoppen. Angelegt Verbände dürfen erst durch den Tierarzt geöffnet werden. Blutet ein Verband durch, wird einfach ein zweiter darübergelegt. Ebensowenig sollte ein großflächig vorzufindender blutiger Schaum nicht abgewaschen werden, um nach der Ursache zu forschen. Dieser Schaum bildet eine Barriere, unter dem das Blut nur noch ganz langsam aus einem größeren Gefäß, das sich nicht von alleine mehr schließen kann, austritt. Wird der Schaum abgewaschen, geht die Blutung wieder voll los. Wenn ein Pferd stark blutet, färbt sich der Boden sehr schnell rot und der Blutverlust wird überschätzt. Grund zur Panik besteht jedoch nicht. Die Gesamtblutmenge eines Pferdes beträgt etwa 1/13 der Körpermasse. Lebensbedrohlich wird ein Blutverlust erst ab einem Viertel bis einem Drittel der Gesamtblutmenge. Bis zum Eintreffen des Tierarztes ist die Wunde provisorisch zu versorgen. Dabei sind die Grundsätze der Wundversorgung zu beachten.

Verdeckte Verletzungen der Haut entstehen durch Hautquetschungen. Durch Druck ausgehend durch nicht optimal angepaßtes oder ungepflegtes Sattel- oder Geschirrzeugs (sog. Sattel- und Geschirrdruck), durch zu langes und/oder festes Bandagieren resp. zu festen und/oder schlecht gepolsterten Verbänden, aber auch durch Festliegen des Pferdes kommt es infolge von Durchblutungsstörungen der Haut zu Absterben von Gewebe, Austritt von Gewebsflüssigkeit und Entzündungsreaktionen (Drucknekrosen, Dekubitus). Die betroffenen Hautpartien sind sofort und für mehrere Tage von jeglichem weiteren Druck zu entlasten. Frische akute Druckstellen sind durch warme und schmerzhafte Schwellungen gekennzeichnet. Sie sollten durch feuchte Kompressen oder fließendem Wasser gekühlt werden. Weitere Linderungen können DMSO-, cortison- oder heparinhaltige Salben bringen. Wird die Ursache für den Druck nicht abgestellt, kann chronischer Druck entstehen, bei dem sich die Haut durch verstärkte Verhornung verdickt (Schwielen). Häufig wachsen an diesen Stellen weiße Haare bzw. bleiben diese Stellen haarlos. Befinden sich unter der Haut, auf die Druck ausgeübt wird, Schleimbeutel, so vermehren sich deren Inhalte infolge des Drucks und es entstehen sog. Beulen. Im ungünstigsten Fall brechen diese Schleimbeutel auf, eitern und werden zur Fistel. Die häufigsten Beulen sind die Widerrist-, die Genick, die Stoll-, die Brustbeule und die Piephacke. Druck infolge Schlages, Bisses, Sturzes oder Rennen gegen ein stumpfes Hindernis können zu Blutansammlungen außerhalb der Blutgefäße führen (Bluterguß, Hämatom der Unterhaut). Um weitere Blutungen zu verhindern, erhalten die Pferde Stallruhe. Wenn möglich, wird ein Druckverband angelegt, ansonsten wird die Stelle mit Eisbeuteln oder mit Tüchern bedeckt, welche mit einer kalten Lösung essigsaurer Tonerde getränkt sind. Anfangs sind kühlende Salben, später heparinhaltige Salben zum Abbau des geronnenen Blutes möglich.

Verbrennungen enstehen durch Hitze, Reibung oder UV-Strahlung. Verbrennungen im engeren Sinne durch offenes Feuer gehören glücklicherweise gerade nicht zu den häufigsten Hauterkrankungen. Aber ein brennender Stall durch Blitzeinschlag, Brandstiftung, durch Selbstentzündung von Heu, herum liegen gelassener Glasscherben oder durch eine defekte Elektrik sind nicht auszuschließen. Auch nicht ein unruhiges Pferd, das den Grill oder den Schmied umwirft und mit dem Grill oder dem heißen Hufeisen in Berührung kommt. Die Beispiele zeigen, wie man Verbrennungen am besten beikommt. Man vermeidet sie durch Vorsicht und fehlender Fahrläßigkeit. Brandwunden haben die unschöne Eigenschaft, sich leicht mit Bakterien zu infizieren. Kühlung und Hygiene sind daher die beiden Behandlungsansätze. Zum Kühlen können in Tücher eingeschlagene Eiskompressen verwendet werden. Die Brandwunden werden mit steriler Kochsalzlösung gereinigt. Zur Verhinderung von Sekundärinfektionen sind Brandwunden immer abzudecken. Brandwunden dritten und vierten Grades und Brandwunden mit größerer Ausdehnung auf dem Körper unabhängig von dem Grad der Verbrennung - ab einem Drittel der Körperoberfläche besteht immer Lebensgefahr - sind immer ein Fall für den Tierarzt. In diesen Fällen sind neben den Verbrennungssymptomen weitere Symptome wie große Unruhe, kolikähnliches Verhalten, starker Durst, Durchfall, Rotfärbung des Urins, erhöhte Körpertemperatur, hoher Puls und schnelle Atmung zu beobachten. Hier droht der Kreislauf zu versagen.

Häufiger sind hingegen sogenannte Schürfverbrennungen, welche durch Reibung entstehen, sei es beim Sturz auf Asphalt oder Beton oder durch Verletzungen mit Stricken und Longen. Für die Behandlung gilt das oben Gesagte entsprechend.

Für Pferde, welche im Sommer keinen Zugang zu einem Schattenplatz haben oder einen solchen nicht aufsuchen wollen, besteht die Gefahr eines Sonnenbrandes. Dies gilt insbesondere für Pferde mit weißen Abzeichen, da die Haut dort keine Pigmente enthält. Vorbeugend können diese Stellen entweder abgedeckt oder mit einer Sonnenschutzlotion mit hohem Lichtschutzfaktor abgedeckt werden. Tritt der Sonnenbrand ein, sind wie beim Menschen Hautreizungen mit Hautablösungen feststellbar. Empfohlen werden hier Einreibungen mit Lebertransalben.

Verletzungen durch chemische Einwirkungen können entweder in Form von Verbrennungen durch falsche Anwendung kauterisierender Salben ("Scharfes Einreiben") - heutzutage als tierquälerisch verboten - oder als Hautverätzung durch Kontakt mit Säuren und Laugen auftreten.

Sonstige nichtinfektiöse Hauterkrankungen

Die Seborrhoe ist gekennzeichnet von einer vermehrten Keratinisierung und einer übermäßigen Talgproduktion der Haut. Die trockene Form (Seborrhoea sicca) führt zu einer trockenen, schuppenden Haut mit vielen lose aufliegenden Schuppen, die fettige Form (Seborrhoea oleosa) bildet dazu noch gelbbräunliche Krusten, die auf der Haut und zwischen den Haaren kleben bleiben. Das Fell fühlt sich fettig an. Bei Pferden bleibt die Seborrhoe meistens lokal auf Mähnen- und Schweifbereich begrenzt, kann aber auch in seltenen Fälle generalisiert auftreten. Die Krankheit entwickelt sich in der Regel langsam über einen längeren Zeitraum und kann chronisch persistieren. Erkrankte Pferde beginnen trotz gutem Appetit abzumagern.

In der Regel ist es sehr schwierig, die Ursache für die Seborrhoe zu finden. Endokrine Probleme, Verdauungsstörungen und Umweltfaktoren werden bei der sog. primären Seborrhoe genannt. Bei der sekundären Seborrhoe tritt die Seborrhoe als klinisches Symptom in Folge einer anderen Erkrankung, meistens einer anderen Hauterkrankung, auf. Sobald die zugrundeliegende Erkrankung erfolgreich behandelt wird, bildet sich die sekundäre Seborrhoe quasi von selbst zurück. Als zugrundeliegende Ursachen werden Dermatophilose, Ektoparasiten, Follikulitis und evtl. Hepatosen angeführt.

Symptomatische Behandlungen erweisen sich als wenig erfolgsversprechend. In der Literatur empfohlen werden Waschungen mit einem keratolytischen Shampoo. Vorausgehendes Scheren ist dabei meist unumgänglich. Zu beachten ist, daß bei Reizungen der Haut z.B. durch Waschungen oder sonstige Versuche der Entfernung der dicken Krusten die Keratinisierung und die Talgproduktion weiter zunehmen. Zudem ist das Entfernen der Krusten, die mit der Haut verbunden sind, sehr schmerzhaft für das Pferd, und birgt die Gefahr, durch kleine Verletzungen Eintrittspforten für Erreger zu schaffen. Andererseits kann die Krustenbildung auch zum Abbrechen der Haare und zu erheblichen Juckreiz beim Pferd führen, so daß eine vorsichtige Entfernung von Zeit zu Zeit unumgänglich werden kann. Insbesondere im Frühjahr zum Zeitpunkt des Fellwechsels besteht eine gewisse Tendenz der körpereigenen Lockerung der Krusten, welche unterstützt werden kann. Um Infektionen aufgrund von kleinen Verletzungen zu verhindern, kann der Waschung ein leicht desinfizierendes Mittel z.B. Rivanol beigefügt werden. Empfohlen wird auch die Verabreichung ungesättigter Fettsäuren in Form von Ölen, angefangen von einfachem Olivenöl bis hin zum marokkanischen Gold, dem Argan-Öl, das von allen Ölen den höchsten Anteil an mehrfach ungesättigten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren enthält. Vorsicht: Öle bitte langsam anfüttern, da Pferde mangels Galleblase erst langsam durch Gewöhnung die Produktion an Gallenflüssigkeit zur Verdauung von Fetten steigern können. Ansonsten besteht die Gefahr, daß Öle unverdaut aus dem Dünn- in den Dickdarm gelangen und die dort ansässigen Mikroorganismen schädigen können.

Ekzeme

Unter dem Begriff Ekzem wird eine Reihe von (nicht immunbedingter) Hautkrankheiten zusammengefaßt, angefangen von der Mauke, der Raspe über das Sattel- und das Harnekzem bis hin zum Mähnen- und Schweifekzem. Gelegentlich wird auch die Schuppenflechte unter Ekzem angeführt. Sie könnte aber genauso unter erblich bedingt oder umweltbedingt eingeordnet werden.

Die Mauke tritt immer im Bereich der Fesselbeuge auf. Sie wird deshalb auch manchmal als Fesselbeugenekzem bezeichnet. Sie beginnt mit leichten Hautreizungen und kann unbehandelt über die Stadien Wärme, Schwellung, Schmerz, Wundsein bis hin zu starken Verkrustungen führen. Die Mauke gilt als multifaktoriell bedingt. Sie gilt als Folge einer veranlagten Disposition, einer akut erhöhten Krankheitsbereitschaft, falscher Fütterung, äußeren Reizen durch Nässe aber auch Trockenheit, durch Schmutz, durch stichelte Einstreu oder durch aggressive Substanzen (Streusalze im Winter, Industrieverunreinigungen des Geländes, Antifrost-Chemikalien im Hallenboden), kombiniert mit dem Eindringen von Bakterien in die geschädigte Haut.

Vergleichbare Erscheinungen treten auch in der Haut der Sprunggelenksbeuge auf und werden dort als Raspe bezeichnet.

Frühzeitig erkannt genügt oft schon ein Säubern und Trocknen der betroffenen Stellen mit einem trockenen Tuch und dem Einreiben mit einer Wund- und Heilsalbe, einer Zinkpaste oder Zink-Lebertransalbe. Waschungen und Verbände reizen im Allgemeinen mehr als sie helfen.

Das Sattelekzem - auch Schweißekzem der Sattellage genannt - wird durch mangelde Sauberkeit verursacht. Schweiß- und Schmutz in der Sattellage führen zu Hautveränderungen und verstopften Talgdrüsen, welche sich entzünden können. Ausreichende Pflege vor und nach dem Reiten der Sattellage wie Ausbürsten oder Abwaschungen sowie sauberes Sattelzeug sind die beste Vorbeuge. Tritt das Sattelekzem trotzdem auf, darf nicht mehr gesattelt werden, bis die Erscheinungen abgeklungen sind. Milde Waschungen und allgemeine Wundpflege unterstützen die Heilung.

Das Harnekzem ist Folge einer Inkontinenz, welche verschiedene Ursachen haben kann (z.B. Infektion mit Herpesviren, Überlaufblase, Nervenschädigung). Der an den Innenseiten der Hinterbeine herunterlaufende Harn reizt die Haut und führt zu Wundsein. Soweit die primäre Ursache nicht abgestellt werden kann, verbleibt nur die Pflege der Haut mit medizinischen Waschungen und fetthaltigen Pflegesalben.

Das Mähnen- und Schweifekzem (Grind) ist die Folge mangelnder Pflege von Mähne und Schweif. Dabei verkleben die Mähnen- und Schweifhaare zusammen mit Dreck zu filzig-krustigen Gebilden, auch Weichselzopf genannt, welche einen guten Nährboden für Bakterien, Pilze und Parasiten bilden. Werden infolge des Juckreizes die Schweifhaare stark abgerieben, entsteht ein sog. Rattenschwanz. Er zeigt deutlich die gerötete, nässende, verdickte und verkrustete Haut. Abhilfe schafft die Waschung mit einem Pferdeshampoo. Stark verfilzte Stellen müssen gegebenenfalls mit der Schere herausgeschnitten werden.

Bei der Schuppenflechte entstehen unregelmäßige, dünn behaarte oder haarlose, schuppende Flecken bevorzugt an Kopf, Hals, Seitenbrust und Flanken. Die Haut ist verdickt und bildet kleine Knötchen, manchmal auch Bläschen. Ursache der Hauterscheinungen ist eine Entzündungsreaktion der Haut, die ein überschießendes Wachstum von hautbildenden Zellen (Keratinozyten) bewirkt. Die Entzündungsreaktion wird ausgelöst durch aktivierte T-Lymphozyten, welche in die Haut einwandern und Entzündungs-Botenstoffe freisetzen. Die Folge ist ein Angriff auf die Epidermis. Der genaue Grund für den Angriff auf die Epidermis ist unklar. Wahrscheinlich greifen die T-Zellen Strukturen an, welche einem bakteriellen oder viralen Antigen ähnlich sind. Die Schuppenflechte würde damit in den Bereich der Autoimmunkrankheiten gehören. Die Schuppenflechte gilt heute als erblich bedingt. Sie tritt jedoch meist nur in Zusammenhang mit weiteren Umweltfaktoren auf wie schlechte Ernährung, Belastung und Stress, Sonnenbrand, Medikamenteneinnahme (u.a. nichtsteroide Entzündungshemmer).

Ödeme

Manchmal werden auch (Unterhaut)Ödeme zu den Hauterkrankungen gezählt. Ödeme sind Flüssigkeitsansammlungen in der unteren Hautschicht, die durch gestörten Rückfluß von Blut oder Lymphe (Gewebsflüssigkeit) aus den betroffenen Körperbereichen entstehen. Als mögliche Ursachen werden Bluteiweißveränderungen bei abgemagerten und verwurmten Pferden, Herzschwäche, Nieren- und Leberinsuffiziens, Überbeanspruchung (z.B. die sog. Herbstbeine bei Sportpferden nach der Turniersaison) aber auch zu geringe Bewegung (Stallruhe bei Erkrankungen, welche eine Ruhigstellung verlangen, z.B. bei einer Knochenfissur) genannt. Ödeme bilden sich besonders gerne an tiefliegenden Körperteilen (Beine, Vorhaut des Schlauches, Unterbrust). Die betroffenen Gebiete fühlen sich verdickt und kalt an. Entzündliche Ödeme können sich in der Umgebung von Verletzungen bilden. Diese fühlen sich warm an und sind auch druckempfindlich. Die Behandlung zielt auf die Erkennung und das Abstellen der Ursachen ab. Als generelle Maßnahme werden Bewegung, Massage und Bandagieren aufgeführt, soweit die Beine betroffenen sind.

Tumore

Zu den Tumoren, die nicht durch lebende Erreger, verursacht werden, gehören die überwiegend gutartigen Melanome und Fibrome. Daneben aber seltener gibt es beim Pferd auch bösartige (= schnellwachsende, ins gesunde Gewebe eindringende und Metastasen bildende) Tumore wie Lymphone, Karzinome und Lymphosarkome. Ein Beispiel ist das Plattenepithelkarzinom (PEK), das die inneren Schleimhäute von Magen und Blase, aber auch die äußere Haut befallen kann. Sehr typisch für das männliche Pferd ist der Befall der Penisschleimhaut. Aber auch Augen und Nüstern können betroffen sein.

Melanome sind häufig gutartige Tumore der pigmentproduzierenden Zellen und deshalb auch schwarz gefärbt. Sie finden sich bevorzugt bei hellfarbenen Pferden wie Schimmeln, Hellfüchsen, Schecken und grauen Pferden. Mit zunehmendem Alter dieser Pferde nimmt die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Melanomen zu. Als bevorzugte Körperstellen werden genannt: Maul, Ohrrand, der Bereich um die Ohrspeicheldrüse, Augenlid-Bereich, After, Scheide der Stute, Damm, unter der Schweifrübe. Melanome fühlen sich fest an. Sie scheinen in oder knapp unter der Haut zu liegen. Die Haut ist in der Regel intakt, aber haarlos. Die Melanome sind nicht schmerzempfindlich und wachsen nur langsam. Solange keine Beeinträchtigung von ihnen ausgeht, toleriert man sie am besten. Sie können sich jedoch auch plötzlich (besonders nach mechanischer Reizung) ganz schnell vergrößern und zu bösartigen Karzinomen mit Metastasenbildung werden. Wegen der mechanischen Reizbarkeit sollten keine Biopsien von Melanomen vorgenommen werden. Auch sollte bei Auftreten von Melanomen am Afterbereich und unter der Schweifrübe nicht mit Schweifriemen geritten werden. Störende Melanome kann man versuchen, operativ zu entfernen, soweit der Sitz das erlaubt. Die Gefahr, daß durch die OP das Melanom streut, ist groß. Versuche mit der oralen Verabreichung von Cimetidin erbrauchten nur vereinzelte Erfolge.

Fibrome sind Bindehauttumore. Sie sind im Gegensatz zu Papillomen immer von unveränderter Haut bedeckt. Sie können an jeder beliebigen Stelle auftreten und weisen verschiedene Formen auf. Sie wachsen nur langsam und verdrängen dabei nur das umgebende Gewebe, anstatt in es hinein zuwachen. Werden sie chirurgisch vollständig entfernt, wachsen sie nicht mehr nach.

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<<< Teil 3
(infektiöse
Hautkrankheiten)
 
   

 

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