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Gewußt wie! - Basiswissen für den Pferdehalter

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Hufpflege ist ein wichtiges Kapitel. Schließlich stehen wir ja mit den Hufen fest auf dem Boden und damit mitten im Leben. Mangelnde Hufpflege im engeren Sinne kann zu trockenen, spröden und brüchigen Hufen aber auch zu nassen und fauligen Hufen führen. Die Eisen fallen ab, der Schmied findet keinen geeigneten Platz mehr in der Wand für die Nägel. Unterlassene Hufkontrolle als Teil der Hufpflege kann z.B. infolge eingetretener Fremdkörper zu Druckstellen führen. Hufpflege im weiteren Sinne beinhaltet auch die standardmäßige mechanische Bearbeitung des Hufes (Kürzen, Berunden, Ausschneiden), die Beachtung einer korrekten Stellung und die Durchführung einer entsprechenden Korrektur bei Stellungsfehler (z.B. Bockhuf, zehenweite/-enge und/oder bodenweite/-enge Stellung, nicht planes Aufhufen), um Überbelastungen von Gelenken und Sehnen zu vermeiden, da anderenfalls Arthrose droht, sowie die Gegenmaßnahmen bei Rissen, Spalten und sonstigen Abnormalitäten. Hufpflege im weiteren Sinne ist grundsätzlich der Fachfrau-/mann vorbehalten, da insbesondere bei Stellungsfehlern der einfache Halter a) mehr kaputt als gut machen kann und b) auch nicht über die Möglichkeiten z.B. Spezialbeschlag verfügt. Darum wollen wir hier darauf nicht weiter eingehen. Probleme in der Hufqualität, Hufverletzungen oder gar -krankheiten und Überbeanspruchungen infolge von Stellungsfehlern führen am Ende zum Stillstand: Krankenbox statt Ausritt. Oder gar zum vorzeitigen Altern/Verschleiß. Aber soweit wollen wir es ja auch gar nicht kommen lassen. Hi Boß, wann hast Du Dir denn zum letzten Male meine Hufe angeschaut? Was??? Vor fünf Minuten. Dann bin ich aber beruhigt. Und das Beste, was wir dagegen tun können, ist die Vorsorge.

Zur Vorsorge gehört die regelmäßige Hufkontrolle, vor jedem Ritt sowieso und bei längeren Ritten auch mal zwischendurch (Sitz Eisen, raushängender Nagel, eingetretener Stein, Kronrandverletzung, Ballentritt ???) aber auch bei nicht gerittenen Pferden (zu jung, zu alt, nur zur Zucht, erkrankt, Rekovaleszent etc.), um frühzeitig ausbrechenden Wänden und faulenden Stellen habhaft zu werden, bevor sie zum Problem werden. Zu lange Zehen, eingebrochene Eisen verlangen jetzt nach dem Schmied, mangelnde Hornqualität nach Verbesserung.

Die Hornqualität des Hufes läßt sich von innen und von außen verbessern. Von außen insbesondere bei Pferden in Boxen-/Stallhaltung schon einmal durch Einhaltung einer ausreichenden Hygiene zur Vermeidung des Hauptfeindes Nummer Eins des Hufes, dem Ammoniak, einem stechend riechenden Gas, das aus der bakteriellen Zersetzung von Harnstoff entsteht, in Wasser gelöst den stark alkalischen (pH-Wert ca. 8,5 bis 9) Salmiakgeist bildet und die molekularen Verbindungen im Huf zerstört. Darüberhinaus ist ammoniakhaltige Luft auch die Ursache für zahlreiche chronische Reizungen und allergische Reaktionen im Bereich der Haut (u.a. Mauke) und der Atmungsorgane. Da Ammoniak aus der Mischung von nasser Einstreu, Urin und Kot entsteht, ist die beste Vorsorge, die Stalleinstreu sauber und trocken zu halten und dem Pferd möglichst viel Aufenthaltsmöglichkeit im Freien zu bieten. Dies ist neben anderen Punkten wie Bewegung, Sozialkontakt etc. ein eindeutiges Plus der Auslauf- oder Offenstallhaltung im Vergleich zur Boxen- oder Stallhaltung, sofern der Auslauf sich nicht aufgrund von Größe, Bodenbeschaffenheit und Witterung in ein urin- und kotgetränktes Schlammloch verwandelt, womit wir dann dem Ammoniakproblem nur in Bezug auf die Atmungsorgane Abhilfe getan hätten.

Zu trockenen und meist spröden und brüchigen Hufen kann man mit häufigem Wässern begegnen. Einfach bis zu vier Eimer halb mit Wasser füllen und die Hufe für eine Weile reinstellen. Ist gleichzeitig auch eine vertrauensbildende Übung für Pferd und Reiter, bis das spielerisch klappt. Für Pferde, die sich damit schwer tun, kann man auch eine große flache Wanne in den Boden eingraben, ein großes Schlammloch erzeugen oder die Reitpause in den Bach verlegen. Bei empfindlichen Pferden sollte man nach dem Wässern die Fesselbeuge trocknen (Maukegefahr!). Ferner kann man, um die aufgenommene Feuchtigkeit länger im Huf zu halten, den Huf nach dem Wässern mit einem Huffett oder -öl einreiben. Nie umgekehrt, da insbesondere minderwertige, d.h. nicht feuchtigkeitsregulierende Huffette und -öle den trockenen Huf an der Aufnahme von Feuchtigkeit hindern.

Reicht Wässern bei brüchigen Hufen nicht aus, so kann man versuchen, das vorhandene Material durch Aufbringen von sog. Huffestigern zu festigen, um einem Ausbrechen der Wände vorzubeugen. Da gibt es einfache Mittel zum alleinigen Auftragen und etwas kompliziertere Mittel, die nach dem Auftragen mit einer Speziallampe zum Austrocknen gebracht werden müssen. Um gesünderes neues Material zu erzeugen, sollte man versuchen, daß Hufwachstum anzuregen. Da der Huf von oben nach unten wächst, ist es völlig ausreichend, entsprechende wachstumsfördernde Mittel auf den Kronrand und den Ballen auszutragen. Zur Auswahl stehen lorbeerölhaltige Hufsalben oder besser gleich reines Lorbeeröl und spezielle Nährcremes, welche neben dem Lorbeeröl auch die für den Huf wichtige Vitamine A und E und für die Keratinsynthese erforderlichen Zinkverbindungen enthalten.

Zu feuchten und damit leicht faulenden Hufen sollte man zunächst durch Abstellen der Feuchtigkeitsursachen begegnen, also häufiger die Einstreu wechseln und den Auslauf trockenlegen. Dazu kommt das Auftragen feuchtigkeitsregulierender Huffette und -öle, um weiteres Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern. Zu feuchte Hufe weisen meist auch Probleme im Strahlbereich auf. Hier hilft häufiges Säubern der Hufe mit Wasserstrahl und Wurzelbürste und regelmäßiges Ausschneiden des Hufes. Insbesondere müssen faulende Stellen im Strahl offengelegt und wenn möglich restlos entfernt werden. Nichts lieben Fäulnisbakterien mehr, als daß durch Dreck und bereits abgestorbenes Material ihnen der Sauerstoff vom Leibe gehalten wird, denn der ist für sie tödlich. Strahlpflegecremes und -spray sollten daher auch generell nur nach einer gründlichen Reinigung des Strahls oder gar erst nach einem Ausschneiden zu Beginn der Behandlung aufgebracht werden. Strahlfäule ist eine ernstzunehmende Erkrankung und muß fachgerecht behandelt werden, damit am Ende nicht ein undefinierter Klumpen, aus dem ein Stück Knochen ragt, übrig bleibt. Ich hoffe, ihr habt nie die Fotos von den Pferden gesehen, die man aus dem stinkenden Schlamm gezogen hat, in dem sie monatelang völlig verwahrlost gestanden hatten.

Zusätzlich zu den beschriebenen äußeren Maßnahmen kann Hufpflege auch von innen heraus erfolgen. Hier steht an erster Stelle die Verabreichung von Biotin (Vitamin H) in konzentrierter Form, das nicht nur auf die Hornqualität im Huf sondern auch auf Haut- und Haarqualität auswirkt. Biotin gilt als Schlüsselvitamin für den Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Fett- und Aminosäuren. Insoweit hängt die Umwandlung von Nährstoffen aus dem Futter in Baustoffe für das Hornwachstum stark von einer ausreichenden Biotinversorgung ab. Der Biotingehalt in Pferdefuttermittel ist gering. Mais als der stärkste natürliche Biotinlieferant ist ja schließlich auch nicht gerade ein typisches Pferdefutter. Verbleibt also nur die Eigenproduktion im Pferdedarm, welche ihrerseits eine biologisch einwandfreie Darmflora voraussetzt, oder aber die konzentrierte Zuführung von außen. Biotin gibt es als Pulver, als Boli oder flüssig in gelöster Form, nicht in reiner Form sondern meist irgendwo mit untergemischt, auch wenn die ganze Zubereitung dann den Verkaufsnamen BIOTIN XYZ bekommt. Es ist daher wichtig, auf den in der Zubereitung enthaltenen Biotinanteil zu achten. 2000 mg Biotin sollten es schon pro kg Zubereitung sein. Die Tagesration an Biotinzufuhr sollte so bei 10 - 20 mg pro Nase liegen. Boli erleichtern hierbei die Dosierung und Verabreichung. Pulver und flüssiges Biotin müssen hingegen abgewogen/abgemessen und ersteres zusätzlich irgendwo in was Feuchtes (z.B. Mash) gemischt werden, um eine Verblasung bei der Aufnahme zu verhindern. Biotin in flüssiger Form soll nach Angaben der Hersteller, den Vorteil haben, schneller vom Körper aufgenommen zu werden. Egal in welcher Form ihr beabsichtigt, Biotin zu verabreichen, solltet ihr neben dem Gehalt an Biotin auch noch auf die anderen Zutaten der Zubereitung achten. Hintergrund: Es gibt weitere Substanzen, die entweder für sich positiv auf Huf und Fell einwirken oder quasi als Katalysator für das Biotin zur besseren Aufnahme und Verwertung dienen. Dazu gehören der gesamte Vitamin-B-Komplex insb. Vitamin B6, die Spurenelemente Zink und Kupfer, welche wie alle Spurenelemente von wesentlicher Bedeutung für alle schnell wachsenden und sich teilenden Zellen im Organismus sind und die immer zuammenzugeführt werden sollten, da eine längerfristige Zinkzufuhr die Kupferaufnahme einschränkt, Kieselgur sowie organisch gebundener Schwefel meist in Form der schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein. Untersuchungen zum Thema Biotin zeigen, dass viel häufiger Zinkmangel und nicht Biotinmangel Ursache schlechter Hufqualität ist. Sie zeigen ferner daß die Biotiongabe sehr langfristig beibehalten werden muß, bis sich sichtbare Erfolge zeigen. Die Rede ist von 8 - 14 Monaten. Auch werden mit dem in den letzten Jahren rapid abgenommenen Siliciumgehalt von Getreide Siliciummangel als mögliche Ursache von schlechter Hufqualität andiskutiert. Umgekehrt kann ein Überschuß an Selen Ursache schlechter Hufqualität sein, weil Selen den Schwefel in den schwefelhaltigen Aminosäuren des Keratins ersetzt.

Eine generelle Maßnahme zur Verbesserung der Hornqualität haben wir noch garnicht erwähnt: Das Umstellen auf Barfußlaufen, wenn ihr euere Pferde bislang beschlagen gehen läßt. Das geht nicht in jedem Fall, weil die Anforderungen von der Bodenbeschaffenheit und/oder der gerittenen Wegstrecke da nicht mitspielen, wobei das wieder eine Frage der Art ist, wer hat sich da eigentlich wem anzupassen, der Halter dem Pferd oder das Pferd dem Halter, oder weil die Hufbeschaffenheit des Pferdes, sei es von der Festigkeit des Horns oder von einer zu korrigierenden Stellung (z.B. stark geschädigtes Rehepferd) her, es nicht zuläßt. Ich will hier nicht den schon bestehenden Glaubenskrieg "beschlagen" oder "barfuß" wieder mal von neuen entfachen, die Entscheidung muß jeder Halter für sich treffen, jedenfalls solange als keine offensichtliche Tierquälerei damit verbunden ist. Barfuß laufen lassen ist jedoch durchaus eine Überlegung wert, wenn die Nägel nicht mehr in der Wand heben oder man den kleinen Finger zwischen Eisen und Tragrand durchstecken kann. Dazwischen liegen dann noch Alternativen wie Hufschuhe und zu klebende Kunststoffbeschläge. Auf jeden Fall ist das Umstellen auf Barfußlaufen eine etwas länger andauernde Angelegenheit, nichts da von heute auf morgen, und führt meist erst einmal quasi in die Tiefe, weil jahrelang beschlagene Hufe erst einmal den Geist aufgeben, bevor die gegenteilige Wirkung eintritt. Das führt dann schon einmal zu Einschränkungen in den Reitmöglichkeiten. Andererseits sollten die Barfußhufe auch nicht total geschont werden, denn weiche Hufe auf weichen Untergrund bleiben weich. Daher sollte der tägliche Auslauf aus Teilbereichen mit völlig unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit bestehen, um die Umstellung zu erleichtern: ein Teil mit naturbelassenen Boden, ein Teil geplastert, ein Teil geschottert etc. Die oben erwähnten wachstumsfördernden Maßnahmen sowohl von außen als auch von innen begleiten dabei den gesamten Umstellungsprozeß.

Egal wie weit die Meinungen zum Thema Huf sei es über Sinn und Unsinn des Hufbeschlages, über die richtige Beschlagstechnik oder die richtige Hufpflege auseinanderklaffen, so sehr sind sich doch alle wieder einig, daß die tägliche Reinigung und Kontrolle des Hufes eine absolute Notwendigkeit ist, der insbesondere unüberlegte und falsche Einsatz von Fetten, Salben, Ölen jedoch aber auch mehr schaden als nützen kann. Auch hier gilt wie so oft im Leben "Weniger ist mehr". Je mehr die höheren Instanzen in der Haltung die natürlichen Verhältnisse eines freilebenden Pferdes (Welch ein Traum, schluchz!!!) nachahmen, umso weniger benötigen sie künstliche Hilfen zur Beseitigung unnatürlicher Probleme an unseren Hufen.

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