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Gewußt wie! - Basiswissen für den Pferdehalter

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Festliegen des Pferdes bedeutet, daß das Pferd nicht aufstehen kann. Das klingt im ersten Moment nicht so dramatisch, kann aber dramatisch werden, wenn das Pferd zu lange liegt, denn Pferde sind zu schwer, um ohne Folgeschäden viele Stunden in derselben Position liegen bleiben zu können. Liegen Pferde längere Zeit unbeweglich in unnatürlicher Position besteht ferner die Gefahr, daß Nerven an ungeschützten Stellen gequetscht werden und Muskeln sich entzünden. Andererseits dürfen Pferde deshalb auch nicht sofort mit Gewalt aufgetreiben werden, weil hierbei eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eintreten könnte, wenn das Liegen aus gesundheitlichen Gründen erfolgen sollte. Die erste und richtige Reaktion des Pferdehalters besteht deshalb in solchen Fällen in der Klärung der Ursache des Festliegens, um alle weiteren Maßnahmen dann folgerichtig zum Wohle des Pferdes ergreifen zu können.

Es sind grundsätzlich zwei verschiedene Ursachen des Festliegens zu unterscheiden:

  • Es ist dem Pferd mechanisch nicht möglich aufzustehen, weil die Lage des Pferdes ein Aufstehen verhindert (Festliegen im engeren Sinne). Das ist der Fall, wenn das Pferd zu nahe an einer Wand liegt (typische Beispiele: Pferd liegt nach dem Hinlegen und/oder dem Wälzen zu nahe an der Boxen- oder Stallwand, Sturz im Hänger), unter oder in ein Hindernis geraten ist (typische Beispiele: Pferd bleibt beim Wälzen unter den Weidezaun liegen, kommt mit einem eingeklemmten Bein im Knotengitterzaun zum Sturz oder verfängt sich mit einem zu locker sitzenden Halfter) oder den Boden unter den Füßen verloren hat (typische Beispiele: Pferd bricht auf einem morschen Holzsteg ein oder bleibt beim Sturz in einen Graben in mehr oder weniger Rückenlage liegen). Ähnliche, aber nicht ganz vergleichbare Situationen liegen vor, wenn das Pferd in eine (Gülle)Grube eingebrochen ist, im Moor feststeckt, oder beim Schwimmen abgetrieben, nicht mehr an Land kann. Gemeinsamer Vorteil der genannten Ursachen ist die Tatsache, daß der Grund des Festliegens in der Regel auf den ersten Blick offensichtlich ist und Abhilfe primär durch die Beseitigung der mißlichen Lage des Pferdes geschaffen werden kann.
     
  • Das Pferd liegt aus gesundheitlichen Gründen, weil es sich durch das Liegen schonen will, da das Liegen Schmerzen verringert und/oder Herz und Kreislauf entlastet. Wird das Pferd aufgetrieben, legt es sich rasch wieder hin. Die häufigsten Ursachen sind: hohes Fieber, Kolik, Hufrehe, Kreuzverschlag, gebrochenes Bein, Geburtsprobleme, Hitzschlag, Verletzungen mit starkem Blutverlust. Seltener, aber auch nicht auszuschließen: paralytische (Lähmungs-) Form bei einer Herpesvirusinfektion. In der Regel sind dabei Begleitsymptome wie Apathie, Schwitzen, hohe Atemfrequenz, hoher Puls und ein Schmerzgesicht zu beobachten. In diesen Fällen ist der Grund des Liegens nicht sofort offensichtlich und bedarf einer eingehenden Klärung durch einen herbeizurufenden Tierarzt, bevor geeignete Maßnahmen ergriffen werden können.

Denkbar sind aber auch Kombinationen der genannten Situationen, wenn z.B. die Versuche eines mechanisch festliegenden Pferdes sich zu befreien zu Verletzungen und Kreislaufproblemen führen oder umgekehrt ein älteres Pferd mit z.B. hitzebedingten Kreislaufproblemen und dadurch unkontrolliertem schwankenden Gang die Absperrung der Güllegrube oder die zu einer Treppe durchbricht.

Als mögliche Folgen von Festliegen sind zu nennen:

  • Schädigung der inneren Organe durch das Eigengewicht des Pferdes. Je nach Lage und Körperposition des Pferdes ist die Gefahr größer oder kleiner einzuschätzen. Bei einer Rückenlage, wie sie bei einem Sturz in einen engen Graben oder Schacht auftreten kann, drücken die Baucheingeweide stärker auf Herz und Lunge wie bei einer Seitenlage vor einer Wand oder unter einem Hinternis. Verkleinert das Pferd durch eine ungünstige Körperposition noch zusätzlich den Bauchraum wird der Druck auf die Organe größer.
     
  • Lähmungserscheinungen durch abgeklemmte Nervenbahnen und entzündete Muskeln durch längeres Liegen in einer unnatürlichen Position. Besonders gefährdet sind die Nerven im Bereich des Kopfes und der Beine, da diese Bereiche ungeschützt und mit wenig Muskulatur gepolstert sind, sowie die Nerven und Muskeln im Rückenbereich bei verdrehter Körperpostion. Die Lähmungserscheinungen können temporär sein, aber auch irreparable Schäden hinterlassen.
     
  • Wundliegen und Absterben der Haut auf den ungeschützten Knochenvorsprüngen mit Durchblutungsstörungen bei Liegen über mehrere Tage, wie das bei sehr schweren Hufreheanfällen der Fall sein kann. Besonders gefährdet sind hier Ellenbogenhöcker, Hüfte sowie je nach Lage Vorderfußwurzel- und Fesselgelenk.
     
  • Verletzungen und Erschöpfungszustände bis zum Herzversagen als Folge von Befreiungsversuchen. Gefährdet sind insbesondere nervöse Pferde, die leicht in Panik geraten können.
     
  • Ertrinken und Ersticken im Falle der Güllegrube oder des Moors

Die Gefahr von Schäden ist demnach um so größer, je länger das Festliegen andauert, je ungeschickter die Körperposition des Pferdes ist und je unruhiger das Pferd sich verhält. Das bedeutet aber umgekehrt für das eigene Handeln im Falle einwandfrei identifiziertem mechanischen Festliegens: Weiß man definitiv, daß das Pferd noch nicht lange liegt, keine extrem verrenkte Körperposition aufweist und sich ruhig verhält, kann man in Ruhe und Besonnenheit Helfer und Hilfsmaterialien organisieren. Ansonsten ist höchste Eile geboten. Dies gilt insbesondere beim Sturz in die Güllegrube oder sonstiges Gewässer. Eile ist auch immer beim Festliegen aus gesundheitlichen Gründen geboten.

Bis zum Eintreffen von Helfern sowie Hilfsmaterialien und/oder Tierarzt kann das Festliegen des Pferdes durch folgenden Maßnahmen gemildert werden:

  • Im Sommer in praller Sonne festliegende Pferde sind zu beschatten (Plane aufspannen, Schatten werfendes Fahrzeug neben das Pferd fahren), im Winter bei Kälte festliegende Pferde sind einzudecken, um für einen entsprechenden Temperaturausgleich zu sorgen.
     
  • Je nach Untergrund, Lage und Hinternis stützt man das Pferd ab und polstert die druckgefährdeten Stellen mit Stroh und/oder Decken.
     
  • Am Pferd befindlichen Ausrüstungsgegenstände (Sattel, Zaumzeug, Zuggeschirr) sind zur Vermeidung von Druck und Einengung zu entfernen.
     
  • Offene Wunden sind notfallmäßig zu versorgen.
     
  • Um das Pferd bei plötzlichen Aufstehversuchen gefahrlos halten zu können, empfiehlt es sich, dem Pferd ein Halfter mit einem langen Strick oder einer Longe anzulegen.
     
  • Insbesondere bei gesundheitlichbedingtem Festliegen kein Futter anbieten.
     
  • Beruhigend auf das Pferd einwirken. Insbesondere mechanisch festliegende Pferde erweisen sich häufig als sehr unruhig und versuchen durch Zappeln, Schlagen und Wälzen sich aus ihrer Lage zu befreien. Dies kann für das Pferd (Kreislauf, Verletzungen) und für die Helfer (Tritte) gefährlich werden und die Befreiungsversuche erschweren. Wie kann man beruhigend einwirken? Als Halter/Helfer sollte man selbst eine innere Ruhe ausstrahlen und keine ansteckende Panik. Wenn möglich sollte eine insbesondere Vertrauens- und Bezugsperson des Pferdes bei dem Pferd bleiben und durch dauernde Zuwendung in Form von Ansprache und Streicheln beruhigend auf dasselbe einwirken. Auch bestimmte Massagetechniken/-griffe können entspannend bis schmerzstillend wirken. Die Verabreichung von Notfall-Tropfen (Rescue Remedies) aus der Bachblüten-Therapie für Pferd (und auch Mensch) kann empfehlenswert sein. Alle oben genannten Maßnahmen sowie die Befreiungsversuche sollten nach Möglichkeit immer im Bereich des durch das Festliegen eingeengten Gesichtsfeld des Pferdes angegangen werden, damit das Pferd durch keine Aktion überrascht wird. In schweren Fällen ist nach Eintreffen des Tierarztes eine Sedation erforderlich.

Die Befreiung des Pferdes im Falle des mechanischen Festliegens aus seiner mißlichen Lage hängt stark von der Ursache des Festliegens ab. Grundsätzlich empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Warten bis das Pferd seine meist anfängliche heftige Gegenwehr gegen seine Lage einstellt und sich quasi seinem Schicksal ergibt.
     
  • Wenn bislang noch nicht geschehen: Pferd halftern und von einem Helfer an einem langen Strick oder Longe halten lassen.
     
  • Je nach Situation entweder die niederhaltenden Hindernisse beseitigen und/oder Pferd in eine andere Lage bewegen, welche ihm das Aufstehen erlaubt.

Die Beiseitigung der Hindernisse kann je nach Situation sehr unterschiedliche Formen annehmen. Ist ein Pferd mit der Hinterhand in ein zu locker sitzendes Hafter geraten und zu Sturz gekommen, ist das Hafter zu öffnen. Infolge des durch die Hinterhand ausgeübten Zuges geht das jedoch nicht auf normalen Wege. Das Halfter muß mit einem geeigneten Werkzeug durchtrennt werden. Bei einem Kunststoffhafter reicht dazu ein scharfes Messer, eine Blechschere oder ein Astschneider, bei einem Lederhafter empfiehlt sich ein Bolzenschneider zum Durchtrennen der verbindenden Metallringe. Hat sich das Pferd mit dem Hafter hingegen in einem Ast verfangen, bietet sich das Absägen des Astes an. Ist das Pferd vor der Kutsche gestürzt und hat sich im Geschirr verfangen, muß letzteres Stück für Stück entfernt werden. Ist das Pferd beim Wälzen unter einen Zaun geraten, empfiehlt es sich den Zaun abzubauen. Beim Holzzaun werden Bretter/Stangen entweder durchgesägt oder mit dem Hammer aus ihrer Verankerung getrieben, beim Drahtzaun bietet sich die Beißzange oder besser der Bolzenschneider zum schnellen Durchtrennen an (bei fest gespannten Drähten auf die Enden achten, damit sie beim Durchtrennen weder Pferd noch Helfer verletzen). Beim Sturz im Hänger kann die Zwischenwand entfernt werden, sofern das Gewicht des dagegenliegenden Pferdes dies nicht verhindert. Hat sich das Pferd mit einem Bein in einem Knotengitter- oder in einem Stacheldrahtzaun - letzteres sollte es eigentlich nicht mehr geben, da Stacheldraht für Pferdeweiden tierschutzwidrig ist, aber gerade erst wieder in Lehnsahn bei Lübeck geschehen - verfangen, so ist der Zaun ebenfalls mit einem Bolzenschneider aufzutrennen. Steckt das Pferd mit einer Hand im Fahrgestell des Wasserwagens fest, hilft unter Umständen nur der elektrische Trennschleifer. Glücklicherweise fehlen uns hier die eigenen Erfahrungen, aber es wird berichtet, daß Pferde den mit der Beseitigung der Hindernisse gegebenenfalls verbundenen Lärm aufgrund ihres allgemeinen Schreckgefühls recht gut verkraften sollen. Bei der Beseitigung von Hindernissen müssen die Helfer immer davon ausgehen, daß das Pferd sofort aufspringt, sobald der letzte Halt fällt.

Liegt das Pferd vor oder in einem nicht entfernbaren Hindernis, muß das Pferd bewegt werden. Liegen Pferde in einer Boxenecke oder vor einer Stallwand fest, genügt oft ein einfaches Wenden des Pferdes auf die andere Seite. Zu diesem Zweck werden an den unten liegenden Beinen möglichst dicke Seile - Führstricke und Longe tun's im Notfall auch - an den Fesselbeugen mit nicht weiter zuziehenden Schlingen befestigt - dabei auf strappelnde und schlagende Beine achten -, mit deren Hilfe mehrere Personen per Zug das Pferd dann auf die andere Seite drehen. Zwei Personen schaffen das mit einem Isi leicht. Woher ich das weiß? Da solltet ihr mal Sjöfn fragen. Die verfügt da bekanntlicherweise über einschlägige Erfahrungen. Denn mein Boß fand sie einmal im Winter bei einem seiner nächtlichen Kontrollbesuche mit dem Bauch direkt von außen an der Stallwand liegend, die Beine derart auf den Bauch gedrückt, daß sie keine Kraft mehr entfalten konnten, den Körper von der Wand weg zu drücken, zumal dieser auch noch in der Rinne lag, welche die Regentropfen vom Dach runterfallend im Laufe der Jahrzehnte geschaffen hatten. Sie mußte sich da in den Windschatten des Stalles hingelegt haben, dann vor dem Aufstehen wie gewöhnlich gewälzt haben, dabei zu nahe an die Wand geraten und dann noch durch die Rinne endgültig auf die Wand gedrückt worden sein. Und das Ganze wohl, weil Winter war, Schnee lag, der durch das Liegen glatt geworden war und durch die Körperwärme auch noch einen Wasserfilm hatte, so daß das Rutschen ganz leicht ging. Um 21 Uhr hatte sie noch gefressen, jetzt war Mitternacht. Also maximal drei Stunden. Ihr Körper fühlte sich schon gewaltig kalt an. Ansonsten war sie die Ruhe in Person und schaute meinen Boß etwas verlegen hilfesuchend an. Der Unbedarfte erkannte nach dem ersten etwas hilflosen Versuch, sie allein mit bloßen Armen zu wenden, daß er das nicht schaffen würde, und holte den Nachbarn - auch Pferdemensch - aus dem Bett. Dickster Führstrick um die Fesseln der Vorderhand, Longe um die Fesseln der Hinterhand, Beine ausgestreckt und gegen die Wand hochgestellt, damit sie als Hebel zum Umdrehen wirken konnten, ein dreimaliges Hauruck und Sjöfn lag auf der anderen Seite, aber nur für den Bruchteil einer Sekunde, denn sie wandelte den Schwung des Umdrehens sofort in einen fürs Aufstehen um. Und sie stand. Meines Bosses, Sorge sie könnte sich mit Führstrick und Longe an den Beinen davonmachen, bewahrheitete sich nicht. Sjöfn stand und verhielt sich, als hätten die letzten zwei, drei Stunden nicht existiert. Soweit zu Sjöfn und unseren persönlichen Erfahrungen, was mechanisch bedingtes Festliegen betrifft. Alle anderen Erfahrungen bescherten uns die Nachbarn: Hinterhand im Halfter, Pferd eingebrochen auf den morschen Brettern einer Güllegrube, Pferd mit Kreislaufproblemen Außentreppe zum Keller runtergestürzt, Pferd eingebrochen auf morschem Holzsteg. Um per Hand ein Pferd zu bewegen, eignet sich auch der Griff ins Halfter und begrenzt der Schweif. Muß das Pferd ein längeres Stück weggezogen werden, sollte dies mit einer speziellen Schleppmatte vorgenommen werden, die in Pferdekliniken vorzufinden sind.

Von Versuchen, Pferde mittels um den Bauch gelegten Seilen durch den Frontlader anzuheben oder zu transportieren, ist dringend abzuraten. Pferde reagieren im allgemeinen sehr panisch, wenn sie angehoben werden, und es besteht die Gefahr von Verletzungen durch die Seile oder gar des Sturzes aus den Seilen, wenn das Pferd sich heftig bewegt. Stürzt ein Pferd in einen Graben oder eine unbefestigte Grube, so besteht eventuell die Möglichkeit, dem Pferd einen Ausstieg zu graben, sofern zahlreiche Helfer zur Verfügung stehen. Auch das Unterschieben von Strohballen, so daß das Pferd nach und nach höher steht und am Ende heraustreten kann, hat sich schon in manchen Fällen bewährt. Wenn die Grube mit Flüssigkeit gefüllt ist, kann das Auffüllen mit Strohballen, um dem Pferd wieder Boden unter die Füße zu geben, auch die letzte Chance sein, ein erschöpftes Pferd vom Ertrinken zu bewahren, wenn es erst sehr spät gefunden wurde und/oder die Hilfe sich verzögert. Muß das Pferd aus der Grube gehoben werden, ist die Feuerwehr mit professionellem Hebegerät der richtige Ansprechpartner. Um das Pferd sicher und verletzungsfrei anzuheben, sollte auf die Transportmappe aus der Tierklinik zurückgegriffen werden, die unter dem Bauch in voller Breite hindurchgeführt wird und sich beim Anheben links und rechts um den Rumpf legt, so daß die Gefahr des Herausrutschens minimiert wird. Bei sehr unruhigen Pferde sollte der anwesende Tierarzt das Pferd zusätzlich sedieren. Steht keine Matte zur Verfügung, muß auf breite Bänder ausgewichen werden, die im Vergleich zu Seilen nicht einschneiden und aufgrund höherer Reibung auch nicht so leicht verrutschen. Ist nichts besseres vorhanden, sind die Feuerwehrschläuche der gerufenen Feuerwehr das Mittel der Wahl. Diese werden unter dem Bauch hindurch geführt und mit Querverbindungen untereinander und um die Vor- bzw. Hinterbeine herum gegen das Abrutschen gesichert. Beim Anheben hat immer mindestens ein Helfer für das Nachführen von Kopf und Hals zu sorgen, um Verletzungen im Halswirbelbereich zu vermeiden. Feuerwehrschläuche um das Pferd gewickelt eigneten sich auch in dem oben erwähnten Fall des die enge Kellertreppe hinuntergefallenen Pferdes, um es auf der mit Dielen belegten Treppe wieder nach oben zu ziehen, weil die Enge am Ende der Treppe kein Aufstehen des Pferdes erlaubte.

Wenn das Pferd geborgen ist, muß es in der Regel vom Tierarzt auf Verletzungen, Nervenschäden und Brüche untersucht werden. Eventuell sind auch Infusionen zur Vermeidung eines Kreislaufschockes durch zu langes Festliegen erforderlich.

Haben Pferd und Halter das "Abenteuer" Festliegen erst einmal überstanden, stellt sich von ganz allein die Frage nach Maßnahmen, um eine mögliche Wiederholung zu vermeiden oder ganz allgemein die Frage nach der Vorbeugung. Kann man Festliegen vorbeugen? Im Sinne von Minimierung des Risikos, ja. Z.B. durch Abnehmen des Halfters auf der Weide und im Stall. Geht das nicht - einige meist preisgünstigere Haftpflichtversicherungen bestehen auf das Tragen von Halftern - so ist für einen engen Sitz des Halters am Pferdekopf Sorge zu tragen, damit kein Pferdefuß, kein Ast oder ein anderer Gegenstand sich darin verfangen kann. Es gibt auch Halfter, welche sich ab einer gewissen Zugkraft von selbst öffnen. Umgekehrt sind alle Gegenstände im Auslauf, Stallbereich und Weide zu entfernen, welche zum Verhaken des Halfters einladen, z.B. umgestürzte Bäume, die Türangeln ausgehängter Türen, Heuwender, Pflug, Vorsprünge an Wasserwägen. Festliegen in Zäunen kann man durch geeignete Zaunmaterialien und entsprechendem Zaunaufbau verhindern. Stacheldrahtzäune haben auf einer Pferdeweide wegen der mit ihnen verbundenen Verletzungsgefahr für das Pferd und andere Tiere - wir haben schon einmal eine Schleiereule aus einem Stacheldrahtzaun befreien müssen - nichts zu suchen. Sie verstoßen obendrein gegen das Tierschutzgesetz. Knotengitterzäune sollten unbedingt durch einen oder zwei vorgeschaltete E-Drähte gesichert werden. Noch sicherer ist, einfachen Glattdraht zu spannen. Die Betonung liegt auf spannen. Jeder lumerig rumhängende Draht erhöht das Risiko des Verfangens. Aber auch der gespannteste Draht nützt nichts, wenn die Pfosten derart morsch sind, daß der halbe Zaun dem Pferd folgt, wenn es sich im Draht verfängt. Gruben, Schächte, Treppen sind unzugänglich für die Pferde zu sichern. Nur darübergelegte Bretter können verrutschen und im Laufe der Zeit morsch werden. Gruben und Schächte sind außenzaunmäßig auszukoppeln, Treppen und ähnliches mit einem massiven Tor zu sichern. Häufig werden Wasserfässer auf ausrangierte Fahrgestelle montiert, welche das Faß in drei Richtungen überragen und in die das Pferd hineinsteigen und sich verfangen kann. Um das zu verhindern sind alle Öffnungen von oben mit einem Blech zu versehen, welche das Hineinsteigen unmöglich macht. Ein Überlegung ist auch, Boxentrennwände herausnehmbar zu gestalten, so daß festliegende Pferde durch Entfernen der Wand befreit werden können. Stallbereich, Auslauf und Weide sollten so gestaltet werden, daß es keine engen, scharfen Kurven gibt, in denen das Risiko besteht, daß das Pferd insbesondere bei naßem, rutschigem Boden nicht mehr die Kurve im Galopp bekommt und geradeaus in oder unter den Zaun gerät. Die Gefahr unter den Zaun zu geraten, ist besonders groß, wenn der Zaun quer zum Gefälle verläuft. Vielleicht ist es da besser, auf den steilen Teil der Weide zu verzichten und den Zaun schon vor Beginn des Gefälles aufzustellen.

Beim Reiten empfiehlt es sich, ausreichenden Abstand zu Böschungen und Gräben zu halten, um zu vermindern daß der Untergrund ins Rutschen kommt. Unbekannte Holzstege werden erst einmal per Fuß inspiziert, bevor man mit dem Pferd darüber reitet, um zu verhindern, daß das Pferd einbricht. Freiwillig gingen wir auch nie ohne Kontrolle über so ein Ding, nein danke, wir haben schließlich das Pferd beim Nachbarn gesehen, als es geborgen nach dem Einbrechen in eine alte Holzbrücke in den Stall zurückgebracht worden ist. Alle Beine waren blutig offen und der Rumpf ähnelte vor lauter Holzsplitter mehr einem Kaktus als einem Pferd. Beim Reiten im Moor sollte man unbedingt auf den ausgewiesenen Wegen bleiben und keine Exkursionen querfeldein riskieren. Schwimmen im See oder Fluß setzt immer voraus, daß man sich zuvor Gedanken über mögliche Strömungen macht und erkundet, wie das Gelände in Richtung der Strömung für einen möglichen Ausstieg beschaffen ist.

Auch gegen gesundheitlich bedingtes Festlegen kann man Vorsorge treffen. Hufrehe, Kreuzverschlag und Koliken können die Folge falschen Futtermanagements sein: Falsches Futter, der Beanspruchung nicht angepaßtes Futter, große Futtermengen einmalig, statt kleine Mengen mehrmals täglich, kein ausreichender zeitlicher Abstand zwischen Fressen und Arbeit. Aber auch die Folge von Überbeanspruchung, die aus einer allgemeinen Divergenz von Leistungsvermögen des Pferdes und Leistungsanforderung an das Pferd, dem Alter des Pferdes oder der herrschenden Wetterlage (Hitze, Schwüle, Ozongehalt, plötzlicher Wetterumschwung) resultieren kann. Alle Maßnahmen der allgemeinen Gesundheitsvorsorge sind insoweit auch gleichzeitig Maßnahmen gegen gesundheitlich bedingtes Festliegen.

Für gesundheitlich bedingtes Festliegen bin ich übrigens zuständig. Ist noch gar nicht so lange her, als mich meine höheren Instanzen etwas eigenartig verrenkt in unserem Wasserdurchlauf im Auslauf fanden, mehr zufällig als geplant. Waren eigentlich gerade erst mal drei Stunden seit ihrem letzten Besuch fort und normalerweise hätte es noch drei Stunden gedauert, bis sie zum Abendessen erschienen wären. Aber so kamen sie durch einen externen Faktor bedingt völlig außer der Reihe vorbei. Glück muß das Pferd haben. Näheres dazu könnt ihr auf der Seite Kreislaufprobleme beim Pferd nachlesen. Und die Moral aus der Geschichte: Häufige Kontrollen im Stall und auf der Weide können zwar kein gesundheitliches Festliegen verhindern, aber seine Dauer und damit die Schwere der Folgen für das Pferd minimieren.

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