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Gewußt wie! - Basiswissen für den Pferdehalter

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Mash ist bekannt als das appetit- und verdauungsanregende Futtermittel schlechthin. Es kann vorbeugend gegen Verstopfungen und Koliken aber auch zum Wiedererstarken erschöpfter und rekosvalezenter Pferde verabreicht werden. Mußten Pferde krankheitsbedingt fasten, z.B. nach einer Kolik-OP oder einer Darmentzündung, dann nimmt man die Fütterung am besten wieder mit einem Mash auf. Auch für schwerfutterige und alte Pferde ist Mash gut geeignet. Im ersten Fall zur Appetitanregung und wegen der leichten Verwertbarkeit, im zweiten Fall wegen des Gehalt an Rohfaser, der im Gegensatz zu dem des Heus ohne Kauprobleme aufgenommen werden kann. Pferden nehmen das Mash gerne auf. Dies gilt insbesondere auch für die kalte Jahreszeit, da das Mash warm verabreicht wird.

Die wichtigsten Zutaten des Mash sind Weizenkleie und Leinsamen. Man spricht deshalb häufig auch von Kleiemash. Je nach Bedarf können weitere Zutaten hinzugefügt werden: reine Haferflocken, Hafer oder Gerste gewalzt/gequetscht, geschroteter Mais, Honig für ein schmackhafteres Mash, Salze/Mineralien/Spurenelemente für ein gehaltsvolleres Mash, Sonnenblumenkerne geschält, Karottenchips, Apfeltrester, Zuckerrübenmelasse, Leinöl, BT-Hefe, Kräuter nach Bedarf. Ein Beispielrezept könnte daher lauten:

  • 500g Weizenkleie
  • 200g Leinsamen
  • 500g Hafer gewalzt/gequetsch
  • ein Teelöffel voll Honig oder Salz
  • Kräuter nach Bedarf

Weizenkleie fällt bei der Mehlherstellung als Nebenerzeugnis an. Beim Mahlen des Korns entsteht aus dem stärkereichen Mehlkörper das Mehl und aus der Hülle die Kleie, welche sich durch folgende Eigenschaften auszeichnet:

  • rauhe Struktur
  • rohfaserreich
  • hoher B-Vitamingehalte
  • Energiegehalt vergleichbar dem von Heu
  • Eiweißgehalt ähnlich dem von Hafer
  • hoher Mineralstoffgehalt

Die rauhe Struktur der Kleie regt die Darmtätigkeit, der Rohfasergehalt die Tätigkeit der Mikroorganismen im Dickdarm an, die ihrerseits B-Vitamine sowie Vitamin C und K produzieren. Da die Kornhülle die höchste Mineralstoffkonzentration im Vergleich zu den anderen Kornbestandteilen aufweist, liegt der Gehalt an Mengen- und Spurenelementen in der Kleie zum Teil erheblich über dem des Hafers. Dies gilt insbesondere für den Gehalt an Phosphor und Magnesium, der den des Hafers um fast das vierfache übersteigt. Aber auch der Gehalt an Kalium, Natrium, Chlor, Eisen, Zink, Selen und Kupfer liegt über dem des Hafers. Als problematisch erweist sich dabei der hohe Phosphorgehalt, da er das Ca:P-Verhältnis von 1,5-2:1 negativ beeinflußt, da der Phosphorgehalt in der Kleie den Calciumgehalt um das siebenfache übersteigt. Wird das Mash mehr als einmal die Woche gegeben, muß deshalb auf einen Calciumausgleich durch Verabreichung calciumreiches Mineralfutter geachtet werden, um eine Calciumfreisetzung aus den Knochen zur Aufrechterhaltung des Blutspiegels zu vermeiden. Auch enthält Weizenkleie wie jedes andere Getreideprodukt Phytin, welches die Zinkaufnahme im Darm hemmt, so daß sich bei Fütterung großer Mengen von Kleie Zinkmangel auftreten kann, welcher wiederum u.A. Ursache für schlechte Hufqualität sein kann.

Lein (Linum Usitatissimum) bekannt auch als Flachs wird für Ernährungszwecke angebaut. Seine Samen zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • hohen Fettgehalt von über 30 Prozent
  • hohe Schleimstoffbildung
  • hohes Quellvermögen
  • höchster Energiegehalt
  • hoher Eiweißgehalt von etwa 20 Prozent
  • hoher Mineralstoffgehalt (insb. Magnesium, Selen)
  • hoher Gehalt an Vitamin E
  • blausäurebildend

Wegen des hohen Fettgehaltes sollten Pferde langsam steigernd an Leinsamen gewöhnt werden. Die enthaltenen Fettsäuren darunter auch Omega-3-Fettsäuren wirken sich sehr positiv auf den Fell- und Hautstoffwechsel aus. Pferde, die regelmäßig Leinsamen oder das daraus gewonnene Leinöl erhalten, zeichnen sich durch ein glattes und glänzendes Fell aus. Insbesondere in den Zeiten des Fellwechsels empfiehlt es sich, Leinsamen zu füttern. Auch äußerlich kann Leinsamen als Breiumschlag bei Hautirritationen verwendet werden. Bekannt ist auch, daß Hufgeschwüre schneller reifen und sich besser öffnen lassen, wenn die Hufe zuvor für einige Tage in gekochten Leinsamen eingepackt werden. Im Mash wird jedoch stärker auf die hohe Schleimbildung und das hohe Quellvermögen des Leinsamen abgestellt, die bei Kontakt mit Wasser hervorgerufen werden. Die Schleimstoffe fördern die Darmbewegungen und verbessern die Konsistenz des Darminhaltes. Obendrein legen sich die Schleimstoffe quasi als schützende Schicht über die Magen- und Darmwand und verhindern dadurch Reizungen. Von daher resultiert auch die oben erwähnte vorbeugende Wirkung des Mash gegen Koliken und Verstopfungen. Beim Mineralstoffgehalt ist ebenso wie bei der Kleie ein vierfach so hoher Magnesiumgehalt bei beim Hafer festzustellen. Das Ca:P-Vehältnis ist zwar nicht so eng wie bei der Kleie, aber mit 0,7:1 immer noch zu eng. Zu beachten ist auch, daß Leinsamen blausäurehaltige Glukoside (Linostatin, Neolinostatin) enthält, die bei Vorhandensein von Wasser die hochgiftige Blausäure abgeben. Zur Lösung des Problems bieten sich vier Möglichkeiten an:

  • Die Verabreichung von Leinsamen auf 100g pro Tag beschränken.
  • Leinsamen nach dem Quellen 10 Minuten lang kochen, da dadurch bereits entstandene Blausäure zersetzt und weitere Freigaben von Blausäuren verhindert werden.
  • Auf Leinsamensorten umsteigen, welche keine Glycoside enthalten. (Meist die goldgelben statt der braunen Samen)
  • Auf thermisch vorbehandelten sog. gecrackter Leinsamen umsteigen, welchen es in pelletierter oder geschrottener Form (besser für das Mash) zu kaufen gibt.

Die Zubereitung des Mash erfolgt dann nach folgendem Strickmuster:

  • Schritt 1: Leinsamen mit heißem Wasser übergießen und quellen lassen
  • Schritt 2: Leinsamen unter Umrühren 10 Minuten lang kochen
  • Schritt 3: Kleie und weitere hitzeunempfindliche Zutaten abfüllen.
  • Schritt 4: Den heißen Leinsamen über die Kleie und sonstige Zutaten geben und alles gut verrühren.
  • Schritt 5: Das Mash eine halbe Stunde lang ziehen lassen.
  • Schritt 6: Danach alle hitzeempfindlichen Zutaten hinzugeben (z.B. Hustenkräuter für Pferde mit Atemwegsprobleme.
Schritt 2 kann entfallen, wenn keine Blausäuregefahr besteht. Um ein allzuschnelles Abkühlen des Mash während der Quellphase zu vermeiden, kann man entweder ein isoliertes Gefäß (Kochgeschirr) verwenden oder zumindest das Gefäß abdecken. Andererseits muß das Mash soweit abkühlen, daß die hitzeempfindlichen Zutaten hinzugegeben werden können. Beim Verfüttern sollte das Mash noch handwarm sein.

Wem die Zubereitung zu mühsam ist, der kann auch auf Fertig-Mash der Futtermittelindustrie umsteigen. Da ist alles fertig gemischt enthalten. Das ganze muß nur noch mit heißem Wasser übergossen und ziehen gelassen werden. Natürlich kann noch die eine oder andere nicht enthaltene Zutat nach Eigenregie hinzugefügt werden. Fertig-Mash haben wir auch schon ausprobieren müssen. Ergebnis: Bei einer Sorte haben wir uns die Lippen geleckt (davon steht jetzt immer ein Sack auf Lager, falls mal bei der Beschaffung der Einzelzutaten ein Engpaß eintreten sollte), bei einer anderen haben wir das Fertig-Mash in hohem Bogen ausgespuckt.

Und noch ein paar Hinweise:

  • Calcium-Ausgleich in der Gesamtfutterration nicht vergessen.
  • Keine unzerkleinerten Zutaten (Mais, Gerste) hinzufügen, da die Pferde wegen der Konsistenz des Mash dasselbe ohne richtig zu kauen einfach abschlucken.
  • Werden reine Haferflocken als Zutat verwendet, können diese mit dem Leinsamen gekocht werden, da dadurch die Verdaulichkeit des Hafereiweiß erhöht wird.
  • Wegen der Schmackhaftigkeit des Mash kann es sich dazu eignen, dem Pferd Medikamente unterzuschmugeln. Die gehören dann ganz am Ende ins Mash, da sie in der Regel hitzeempfindlich sind.
  • Aufgrund der Feuchtigkeit können mit dem Mash auch staubförmige Futtermittel und Substanzen verfüttert werden, die trocken nicht verabreicht werden können: z.B. Kieselerde, Bierhefe, Gelatine in Pulverform, Ingwer, MSM, GSM.
  • Die verdauungsfördernde und darmanregende und damit die vorbeugende Wirkung des Mash gegen Verstopfungen kann durch Zugabe von Glaubersalz (streng genommen Natriumsulfat-Dekahydrat, im Handel jedoch nur wasserfreies Natriumsulfat - Natrium sulfuricum - verfügbar und daher meist synomym dafür gebraucht) verstärkt werden, das entwässernd und entschlackend wirkt und somit den belasteten Stoffwechsel entlastet. Findet ihr in allen alten Pferdebüchern, nur heute scheint das Glaubersalz etwas in Vergessenheit geraten zu sein. Aber keine zu große Dosis, das Glaubersalz wirkt ab einer gewissen Menge abführend. In großen Dosen (50 g /100 kg LM als 5%ige wässrige Lösung) ist Glaubersalz eine Therapiemöglichkeit für Obstipationen des Caecums und des Colons bei Pferden, aber absolut kontraproduktiv bei Dünndarmverschlüssen.
  • Und nach der Mahlzeit nicht vergessen, die Futterschüsseln oder -raufen gründlich zu reinigen. Siehe dazu auch den Tip "Saubere Futterschüsseln dank Öl". Mash klebt fürchterlich an und bildet ungesunde, verderbliche Rückstände.
  • So positiv im allgemeinen die Wirkung von Mash zu beurteilen ist, so negativ kann sie leider auch in bestimmten Fällen sein. So verbietet sich z.B. die Fütterung von Mash an am Equiden Metabolischen Syndrom (EMS) erkrankten Pferden wegen des hohen Kohlehydratanteils in Form von Stärke der Getreide(nach)produkte und des hohen Ölanteils des Leinsamens.

Und jetzt bleibt nur noch eines zu sagen, nämlich "Guten Appetit".

Hey Boß, wo bleibt eigentlich unsere tägliche Portion?!?!?

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