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Gewußt wie! - Basiswissen für den Pferdehalter

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Schlundverstopfung - dafür bin ich Spezialist. Bin einfach beim Fressen zu gierig und kann den Rachen nicht voll genug kriegen, am Ende ist es dann aber nicht der Rachen, der verstopft ist sondern meine Speiseröhre. Wie denn das?!? Die Speiseröhre ist ein muskulöser, relativ enger Schlauch, durch den Futter und Wasser von der Maulhöhle in den Magen transportiert wird. Das funktioniert auch durch fortlaufende Muskelbewegungen entgegen der Schwerkraft, wenn das Pferd vom Boden frißt. Nun kann es vorkommen, daß ein abgeschluckter größerer Bissen, z.B. ein ungekaut abgeschluckter kleiner Apfel, zum Festsitzen in der Speiseröhre oder auch zu schnell gefressenes anundfürsich klein dimensioniertes Futter zu einer Verstopfung in der Speiseröhre führt. Häufig ist auch eine Kombination beider Situationen, weil das Pferd auf den festsitzenden Bissen nicht sofort reagieren muß und noch weiteres Futter aufnimmt, das sich dann in der Speiseröhre anstaut und durch das Anquillen des Futters die Speiseröhre in voller Länge verstopfen kann. Prädestiniert für das Festsitzen eines Bissens ist die Passage der Speiseröhre durch das Zwerchfell sowie der Mageneingang, da die Speiseröhre hier verengt ist. Kommt es zu einer Verstopfung der Speiseröhre, so reagiert diese mit einer krampfartigen Verengung und trägt somit zu einer Verschlimmerung des Krankheitsbildes bei. Diese Krämpfe können sich auch auf andere Bereiche ausweiten: in der Lunge mit Krämpfen der Bronchien oder im Darm mit Darmkrämpfen, so daß typische Kolikerscheinungen zu beobachten sind.

Wie äußerst sich nun eine solche Verstopfung der Speiseröhre? Kurz nach oder beim Fressen tritt durch die Futterblockade ein starker Würgereiz beim Pferd auf. Das Pferd versucht durch heftiges Husten das festsitzende Futter freizubekommen. Das Pferd steht mit nach vorne unten gestrecktem Hals da und verkrampft sich stark. Bedingt durch das anfängliche Husten können Teile des Futters aus Maul oder Nüstern ausfallen. Da der Speichel infolge der Verstopfung nicht mehr in den Magen abfließen kann, läuft dieser als zäher Schleim eventuell zusammen mit Futterbrei bedingt durch die gesenkte Kopfhaltung des Pferdes verstärkt bis massiv aus Maul und Nüstern. Das Pferd beendet jegliche Futteraufnahme ein und stellt sich mit der typischen nach vorne unten gestreckten Halshaltung abseits. Je nach Verlauf und Pferd kann das sehr ruhig oder auch sehr dramatisch verlaufen. Wird z.B. die Atmung behindert, sind Schockzustände möglich. Aufgrund dieser Symptome ist es im allgemeinen nicht schwer, als Pferdehalter die richtige Diagnose zu stellen. Mögliche Verwechselungen können insbesondere bei sehr krampfhaften Verlauf mit Koliken oder bei Futterverweigerungen mit Entzündungen des Kehlkopfes, Tumoren in der Speiseröhren und Verletzungen/Entzündungen an Zahnfleisch und Zunge. Hier fehlt aber meistens der typische Speichelabfluß aus den Nüstern bei nach vorne unten gestrecktem Hals, es sei denn, es kommt auf Grund dieser Erkrankungen sekundär zu einer Schlundverstopfung. Denkbar ist auch eine Verwechslung mit Tollwut und Wundstarrkrampf, da hierbei auch Krämpfe, Speichelfluß und Schluckbeschwerden auftreten. Bei regelmäßig durchgeführten Impfungen gegen diese Erkrankungen ist davon jedoch nicht auszugehen.

Auslöser für eine Schlundverstopfung sind meistens entweder stark quellfähige Futtermittel wie Weizenkleie, Zuckerrübenschnitzel, Pellets/Chips von Karotten/Rote Beete oder Heupellets, verklebte Stücke in der Maissilage oder zerkleinerte Apfel- und Karottenstücke, aber auch ganze Äpfel der Kategorie zu klein oder fest um gekaut zu werden, aber zu groß um die Speiseröhre passieren zu können. Verstärkende Faktoren sind gierig/hastig fressende Pferde (Verschluckgefahr, fehlendes Einspeicheln des Futters in der Maulhöhle beim Kauen) und mögliche Zahnprobleme (scharfe Haken, abgenutzte Zähne), die ein normales Zerkleinern und Einspeicheln der Nahrung behindern.

Zur Vorbeugung sind daher stark quellfähige Futtermittel unbedingt eine ausreichende Zeit vor der Fütterung zu wässern. Die Wärme des Speichels und die darin enthaltenen Enzyme lassen diese Futtermittel nämlich noch viel schneller und stärker quellen als mit Wasser außerhalb des Pferdes. Bei Weizenkleie genügt ein starkes Befeuchten kurz vor der Fütterung, Zuckerrübenschnitzel sind einige Stunden vor der Fütterung mit ausreichend viel Wasser einzuweichen, da sie auf ein Vielfaches ihres Volumens aufquellen. Maissilage sollte beim Verfüttern aufgelockert werden. Auf diese Weise lassen sich auch eingeschlossene verschimmelte Stellen identifizieren und entfernen. Karotten und Äpfel sollten nicht zerkleinert, sondern als Ganzes verfüttert werden. Äpfel der kritischen Größe (zu klein, um evtl. zerkleinert zu werden, aber zu groß zur störungsfreien Schlundpassage) werden aussortiert. Generell sollten möglichst nur gleich große Teile verschiedener Futtermittel in einer Portion verfüttert werden. Eventuell empfiehlt es sich auch aus der Erfahrung bereits stattgefundener Schlundverstopfungen heraus bestimmte Futtermittel zu vermeiden oder durch andere zu ersetzen. So bekomme ich Karotten nicht mehr in frischer Form, weil ich mich mit schöner Regelmäßigkeit daran verschlucke, sondern nur noch als Karottenpellets oder -chips, die ab einer gewissen Menge aber immer eingeweicht verfüttert werden müssen.

Die Fütterung sollte möglichst unter ruhigen Verhältnissen erfolgen. Dazu ist am besten das Futter für alle Pferde einer Haltung im Stall etc. vorzurichten und dann erst die Pferde zeitgleich an das Futter zu lassen. Zwischen den einzelnen Futterstellen ist ausreichend Abstand zu wahren. Bei beengten Platzverhältnissen empfehlen sich Freßständer. In der Regel hat nach kurzer Zeit jedes Pferd seinen festen Platz. Das kann nicht nur Schlundverstopfungen auf Grund von Futtergier und -neid verhindern, sondern auch, daß die dicken Pferde immer dicker und die dünnen immer dünner werden. Besonders gierig fressende Pferde können ausgebremst werden, wenn man ihnen mindestens faustgroße Kieselsteine ins Futter legt, da sie dann das Futter zwischen den Steinen herauszusuchen müssen. Futterangebote in Stresssituationen sind nach Möglichkeit zu vermeiden, z.B. Futter beim Verladen des nicht verladewilligen Pferdes oder zum Einfangen des gerade durch die Zäune geschlüpfen aufgeregten Pferdes.

Einen immer wieder zu beobachtenden Auslöser von Schlundverstopfung ist nur schwer beizukommen: Das unsachgemäße Fütterung der Pferde am Weidezaun durch unkundige Besucher/Passanten. Völlig losgelöst von der Problematik ungeeigneter Futtermittel werden hier auch geeignete Futtermittel falsch proportioniert und vor allem meistens jeweils nur einem Pferd aus der Hand nacheinander angeboten, das insbesondere bei niedrigem Rang zwischen der Futtergier und der Angst vor den ihn bedrängenden ranghöheren Pferde hinundher schwankend überhastet zugreift. Auch nicht rangniedrig fanden mich meine höheren Instanzen so abends mal mit einem Apfel im Schlund festsitzend vor, als sie zum Füttern kamen. Auf der Weide gab es keine Äpfel, aber auf den Streuobstwiesen links und rechts von uns jedoch genug. Da werden im Herbst insbesondere die nichtabgeernteten kleinen Äpfel von den Passanten eingesammelt und an die Pferde verfüttert. Und da kann es dann schon mal passieren. Hier helfen nur bedingt mühsame Aufklärung und doppelte Weidezäune.

Jede Schlundverstopfung ist als Notfall zu betrachten. Der Tierarzt ist deshalb so schnell wie möglich zu verständigen. Bis zum Eintreffen desselben bleibt dem Pferdehalter nur die Möglichkeit, auf das Pferd beruhigend und entspannend einzuwirken, um auf die Verkrampfung der Speiseröhre mildernd einzuwirken und den Allgemeinzustand des Pferdes nicht zu verschlechtern. Als mögliche Maßnahmen sind hier zu nennen: vorsichtiges Führen, sanfte Massage der Ohren und des Mauls oder die Verabreichung der Notfalltropfen nach Dr. Bach. Nicht ganz ungefährlich ist die Massage des ertastenden Hindernisses in Richtung Maul bzw. in Richtung Magen, jenachdem wo das Hinternis sitzt, da hierbei Schädigungen an der Speiseröhre auftreten können. Das Einführen eines Schlauches gehört definitiv in die Hände des Tierarztes, der zunächst ein krampflösendes und je nach Zustand des Pferdes auch ein beruhigendes Mittel spritzen wird. Dann kann versucht werden mit Hilfe einer Nasenschlundsonde einen festsitzenden Broken in Richtung Magen zu schieben. Ist die ganze Speiseröhre mit kleiner gearteten Futtermitteln verstopft, wird versucht, die Verstopfung mit Wasserspülung und Druckluft zu beheben. Das kann schon mal zwei Stunden dauern und auch blutig aussehen, da mit Einführen der Sonde das gut durchblutende Gewebe in der Nasenhöhle verletzt werden kann. In schweren Fällen ist der Transport des Pferdes in eine Pferdeklinik angebracht, weil Kliniken über spezielle Spülsonden verfügen, das Pferd intubatiert werden kann, um zu verhindern, das Futtermittel in die Lunge gelangen, in der Klinik notfalls eine Schocktherapie durchgeführt werden kann und im Falle einer hartnäckigen Verstopfung diese auch operativ beseitigt werden kann. Ist die Verstopfung beseitigt, wird der Tierarzt ein Antibiotika spritzen und weiteres Antibiotika für die nächsten Tage dalassen, um das Risko einer Lungenentzündung zu minimieren, die aufgrund von in die Lunge geratener Futterteilchen mit Bakterien und Schmutz als Nebenwirkung droht. Ansonsten besteht ein 24stündiges Freßverbot, um zu verhindern, daß der gereizte Schlund sich bei Kontakt mit Futtermittel sofort wieder verkrampft. Danach sollte möglichst weiches Futter gegeben werden, bis sich die Schleimheit der Speiseröhre wieder erholt hat. Zur Unterstützung der Schleimhaut kann Leinsamen gefüttert werden, pur oder im Mash.

Fälle, in denen sich die Verstopfung von selber gelöst hat, sind die absolute Ausnahme. Meistens geschieht dies auch nur nach Verabreichung eines krampflösendes Medikamentes durch Bewegungen wie z.B. dem Rütteln im Pferdehänger auf dem Transport in die Pferdeklinik. Und dann gibt es auch noch solche Fälle, die wie Anglerlatein klingen. Bei einem war ich allerdings Zeuge: Als es einmal Hvinur erwischt hatte, es waren glaube ich Äpfel gewesen, da ließ dieser sich einfach wiederholt aus voller Höhe auf den Boden krachen, daß ich und die höhren Instanzen dachten, daß er jetzt völlig durchgedreht sei und unter Schock stünde. Jedenfalls war die Schlundverstopfung beseitigt, als der sofort verständigte Tierarzt nach 25 Minuten eintraf. Ob diese Methode zu Hvinurs Standardrepertoire gehörte, um Schlundverstopfungen zu beseitigen, ließ sich glücklicherweise nicht feststellen, da dies Hvinurs erste und letzte Schlundverstopfung in 25 Jahren gewesen war.

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