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Wir über uns

Welche Erfahrungen wir gemacht haben

"Es ist immer zu früh, das Handtuch zu werfen,
aber nie zu spät, noch einen Versuch zu wagen"

Ein seltsamer Spruch - eben ein echter Ofsi-Spruch. Im Laufe unseren Zusammenseins sind einige von uns Situationen ausgesetzt gewesen, die in gewisser Weise existenzbedrohend waren. Das betraf Hvinur mit seiner Arthrose und das betraf Skotti mit Hufrehe und einem Darmverschluß. Also alles Probleme chronischer Art oder im Falle des Darmverschlusses mit irreparablen Folgen.

Existenzbedrohend waren solche Situationen, weil sich die höheren Instanzen fragen mußten, wieviel an Leid und Schmerz einem von uns und sich selber an Behandlungsaufwand und seelischer Belastung zumutbar ist. Oder können überhaupt die Haltungsvoraussetzungen geschaffen werden, die erforderlich sind, daß es für alle zumutbar wird. Es ging immer nur um die Frage, welche Chance hat der Betreffende von uns und was muß er dafür aushalten. Ökonomische Aspekte taten den höheren Instanzen zwar weh, spielten aber keine Rolle. Am verständlichsten wird das Ganze, wenn ich euch die zwei Fälle schildere, die hierfür die Paradebeispiele abgeben.

Beispiel 1: Hvinur und seine Arthrose

Als Hvinur eines Tages auf der Hinterhand zu lahmen begann, dachte keiner daran, das dies der Anfang vom Ende sein könnte. Äußerlich war nichts feststellbar, keine Verletzung, keine Schwellungen, nichts. Es folgte die in solchen Fällen obligatorische Spatprobe und die war eindeutig. Die Röntgenuntersuchung wies in erschreckendem Maße Veränderungen der Sprunggelenke auf, aber nicht in Form von Exostosen sondern eher das Gegenteil, die Einzelteile der Sprunggelenke waren richtig angeknabbert. Wenn diese rauhen Oberflächen gegeneinander bewegt wurden, mußte es natürlich höllisch weh tun. Einreibungen, Brennen und Spatoperation wurden in diesem Fall von allen Tierärzten als sinnlos abgetan. Blieb nur übrig mit Schmerzmitteln (Spritzen und Equipalazone über alles!) die Schmerzen zu lindern und den durch die rauhen Oberflächen hervorgerufenen Entzündungsprozeß zum Stillstand zu bringen. Alles andere mußte der arme Kerl selber schaffen, nämlich die Sprunggelenke einzulaufen. Grundvoraussetzung Nummer eins: Bewegung, Bewegung, und nochmals Bewegung. Nein, nicht reiten, aber jedensfalls keine Box oder nur ein enger Tagesauslauf. Zu der Zeit waren wir noch auf einem Pferdehof beheimatet und da waren Sonderwünsche aus Angst vor einem Dammbruch wegen der höheren Instanzen der anderen eingestellten Kollegen und wegen verkomplizierter Abläufe nicht so gern gesehen. Letzteres nahmen unsere höheren Instanzen dem Pferdehof weitgehend ab, indem sie Raus-, Rein- und Umstellen selber übernahmen. Auf diese Weise durfte Hvinur eine ganze Weile mit auf den großen Tagesauslauf der Boxen(Groß-)pferde. Da er da manchmal allein verloren rumstand, durfte ich mit ihm raus. Das und die Tatsache, daß wir die Großpferde ganz schön abzockten, gab natürlich prompt Ärger. Die Bewegung tat Hvinur auf jeden Fall gut. Man sah es deutlich: der erste Schritt schmieß ihn fast um, der zehnte war extremes Lahmen, der fünfzigste war fast schon wieder normal. Je höher die Schmerzmitteldosis, je schneller das Einlaufen. Nach einiger Zeit besserte sich sein Zustand tatsächlich, er war sogar reitbar (aber natürlich nur viel Schritt, wenig Trab und kein Galopp), um nach einigen Wochen wieder in den alten Zustand zurückzufallen. Die schmerzhaften und die fast schmerzfreien Phasen wechselten ständig ab.

Dann eines Tages lahmte Hvinur auch vorne. Wieder war äußerlich nichts festzustellen. Das Abspritzen den Beines endete erst unterhalb vom Schultergelenk. Die Röntgenaufnahme brachte es ans Licht: ein großer Sprung (Fissur) im Oberarm. Wahrscheinlich war er infolge seiner Schwerfälligkeit von einem Kollegen gegen ein Hindernis gedrückt worden. Der Riß würde zuwachsen unter der Voraussetzung einiger Wochen Bewegungslosigkeit in der engsten Box. Zum ersten Mal stellte der Tierarzt den höheren Instanzen die Frage, ob sie sich nicht angesichts des extremen Spates und der nie mehr herzustellenden Gebrauchsfähigkeit (welch häßliches Wort!) von Hvinur überlegen wollten, ob ... Ich bring's nicht über die Lippen. Nein, Hvinur kam in die engste Box, die wir mit Strohballen nach enger machten, um jedes Umwenden zu verhindern. Wie er da nach Wochen raus kam, war klar, fast bewegungsunfähig. Jeden Tag waren es zehn Schritte mehr, welche die höheren Instanzen Hvinur keuchend und schwitzend abverlangten. Daß er jetzt rund um die Uhr in freier Einteilung Bewegung brauchte, war auch klar. Die Lösung hieß Unterbringung bei den Jungstuten. Deren Koppel lag einige Kilometer abseits. Per Hänger erschien der Transport wegen Hvinurs panischer Angst vorm Transportieren angesichts gerade zugewachsener Fissur und der empfindlichen Sprunggelenke nicht gerade geeignet. Also laufen mit dem Risiko, daß ein extremer Schmerzanfall uns festsitzen lassen würde. Hvinur wurde so gut es ging trainiert, am Tage X mit Schmerzmittel versorgt, für alle Fälle noch weiteres eingesteckt und dann ging es los. Aber davon habe ich ja schon an anderer Stelle erzählt. Der Aufenthalt bei den Jungstuten tat ihm sichtlich gut. Ich konnte mich selber davon überzeugen, denn um zu Hvinur zu kommen, brauchten die höheren Instanzen ja ein Transportmittel. Das war ich und ein extra angeschafftes Klappfahrrad, mit dem ich um die Wette reiten durfte. Für Autos war der Waldweg gesperrt. Als der Winter und das Glatteis kam, war es zum Teil sowohl für mich als auch für das Fahrrad ganz schön problematisch, zu Hvinur zu gelangen. Für Notfälle hatten sich inzwischen die höheren Instanzen einen Berechtigungsausweis für das Auto beim Forstamt erkauft. Da es, wie schon gesagt, Hvinur auf der Stutenkoppel so gut ging, war der Schreck groß, als Hvinur mit Beginn der Decksaison im darauffolgenden Jahr weichen mußte.

Wie ihr bereits wißt, kam Hvinur dann zu den Junghengsten, wo es zumindest in der Anfangszeit mit seiner Entscheidungsfreiheit, sich bewegen zu wollen oder nicht, vorbei war. Aber vielleicht war das auch ganz gut. Negativ war es zumindestens nicht. In diese Zeit fiel dann der Moment, wo die Leiterin des Pferdehofes unseren höheren Instanzen eine Kopie eines Artikels aus der Tierärztlichen Rundschau zum Thema Spat in die Hand drückte, in dem in casuistischer Weise von großen Behandlungserfolgen bei Spatpferden mittels eines Präparates, das aus den Knorpeln gesunder Pferde gewonnen wurde, berichtet wurde. Unsere höheren Instanzen machten sich schlau: In der Humanmedizin gab's das Präparat unter dem Namen Arumalon zur Behandlung von Arthrose- und Rheumaerkrankungen. Der Tierarzt mit dem Präparat konfrontiert hielt einen Versuch für sehr sinnvoll. Auf die Frage, warum er damit selber nicht rausgerückt sei, meinte er nur, so teuere Behandlungsvorschläge hätte er nicht erwartet. Na gut, eine Behandlungsrunde war damals vor rund zwanzig Jahren schon gerade vierstellig. Behandlungsrunde hieß übrigens sechs Wochen lang jeden zweiten Tag Arumalon intramuskulär zu spritzen, dann eine Pause von vier oder sechs Wochen - so genau weiß ich daß schon nicht mehr - einzulegen und dann das Ganze nochmals zu wiederholen. Am Anfang stand eine Einschleichdosierung, d.h. alle zwei Tage wurde die Dosierung gesteigert, bis die Endmenge erreicht war. Ich war zwar nicht dabei, als mein Boß zum ersten Mal mit der fünf Zentimeter langen Kanüle in der Hand vor Hvinur stand, aber ich kann mir gut vorstellen, was in ihm vorging. Später erzählte er mir, daß je mehr man selber mit dem Einstechen zögert und je mehr der Kollege, wohl wissend was da auf ihn zukommt, die Muskeln anspannt, desto schwieriger wäre die Spritze anzubringen. Er nahm immer im Wechsel den linken oder rechten Brustmuskel, mit dem Oberschenkelmuskel, der ihm viel sympathischer gewesen wäre - nach dem Motto, da ist das Herz viel weiter entfernt -, kam er nicht klar. Parallel zu der Verabreichung von Arumalon hatte mein Boß ein Bewegungprogramm für Hvinur aufgestellt. Dieses Programm sah tägliche Spaziergänge vor, wobei die Länge der Spaziergänge wöchentlich ausgedehnt wurden. Von Anfangs fünf Minuten bis auf über 30 Minuten. Und Hvinur hielt diese Spaziergänge immer besser und schmerzfreier - auch ohne Schmerzmittel - durch. Die humpelnden Einlaufphasen wurden immer kürzer und das Wursteln seiner Kruppe aufgrund seines nicht sauberen Ganges seiner Hinterhand wurde immer weniger, bis ihm am Ende äußerlich im Schritt nichts mehr anzusehen war.

Am Ende des Bewegungsprogrammes stand Hvinur dann die Meisterprüfung bevor, nämlich der Umzug in unser neues Zuhause. Fünf Stück waren wir inzwischen an der Zahl, da war eine Einstellung auf einem Pferdehof auch wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll - wenn man in Geld- und nicht in Zeiteinheiten denkt. Das neue Zuhause bot vor allem die Möglichkeit, insbesondere Hvinur den täglichen Bewegungsspielraum einzuräumen, den er brauchte. Nur hinkommen mußte er noch zu seinem neuen Zuhause. Während es für uns anderen nur ein guter zwei Stundenausritt mit einer kleinen Flußdurchquerung war, würde der Umzug für Hvinur schon ein Rekordspaziergang werden, denn Fahren schlossen die höheren Instanzen wegen seiner panischen Angst davor wieder einmal aus. Aber ob Hvinur einen derartig langen Spaziergang durchhalten würde. Ausprobieren, ob er's durchhielte, verbot sich von selber - wer rennt schon zehn Marathons vorm offiziellen Rennen, um zu sehen, ob er's schafft. Das hieß für Hvinur's Bewegungsprogramm, sich abrupt von 30 auf vielleicht 150 Minuten zu steigern. Ob er das schaffen würde? Die höheren Instanzen gingen tagelang mit Auge und Stopuhr alle möglichen Wege ab, um unter den Gesichtspunkten Schwierigkeit und Zeitbedarf der Strecke den optimalen zu finden. So fiel die Durchquerung des Flüßchens schon mal der Angst, Hvinur könnte im klitschigen Geröll im Wasser ausrutschen und seine Gelenke zu abrupt erschüttern, zum Opfer. Die Alternative hieß Brücke und Steilanstieg auf der anderen Seite in Form eines treppenartig angelegten Wanderwegs. Nach vierzehn Tagen stand die Wegeplanung. Einen Tag vorm Start machten dann massive Holzfällarbeiten im Wald die geplante Route zunichte. In Windeseile wurde umdisponiert. Und dann war es soweit. Alle Vorsichtsmaßnahmen wurden getroffen: Schmerzmittel wurden eingesteckt, der Hänger doch für den Fall eines Falles bereitgestellt, die Chefin würde jede mit dem Auto erreichbare Stelle der Wegstrecke anfahren, was aber angesichts der wirklich exotisch ausgesuchten Wegstrecke nur ein- oder zweimal möglich war und Funkgeräte wurden eingesteckt, ja richtige Funkgeräte, denn damals gab's nichts ähnliches wie ein Handy. Und dann ging's los. Am Anfang sah alles normal aus, nur am Wendepunkt unseres letzten Spazierganges ging's weiter, anstatt wie zuletzt umzukehren. Und wie es weiterging. Hvinur legte im Schritt ein Höllentempo vor. Mein Boß hatte auf den kleinen Waldwegen, die mehr Rehwechsel als Wege waren, Mühe mit Hvinur gleichauf zu bleiben. Er bemühte sich, Hvinur langsamer zu machen, bevor dieser sich vorzeitig verausgabte. Bereits beim ersten Treffen mit der Chefin lagen die beiden besser als der Zeitplan vorsah. Die geplante kurze Pause ignorierte Hvinur. Er wollte weiter. Ging's bislang vornehmlich bergab, so hieß es jetzt zum Teil steil bergauf. Mein Boß wurde von Hvinur fast bergauf gezogen, so eilte dieser weiter. Was für ein Feuer war in Hvinur entbrannt? Spürte er instinktiv, daß am Ende des Weges wir anderen auf ihn warteten, wir anderen, die er monatelange nicht gesehen hatte, und daß die Trennung dann ein Ende hätte? Als die Höhe erreicht war, bot Hvinur sogar den Trab an. Er war kaum noch zu bremsen. Er strampelte, als ob es um sein Leben ginge. Was? Jetzt den mitgenommenen Hafer essen?!? Nein danke, ich will weiter. Bei der Durchquerung eines Dorfes schauten alle Menschen auf Hvinur - wann sieht man auch als Zweibeiner schon ein Pferd mit Funkgerät und einer fast zwei Meter langen Antenne, wobei aus ersterem die Stimme der Chefin dröhnte, weil mein Boß angesichts der so schnell schrumpfenden Entfernung zwischen ihr und ihm gar nicht mehr mitkam, die Lautstärke am Funkgerät zu drosseln. Am Ende des Dorfes stießen dann alle beinahe an einer Ecke zusammen. Kommentar der Chefin: Ihr?!? Ihr könnt doch noch gar nicht da sein! Und weiter ging's im gleichen Tempo, bis Hvinur vor dem Koppeltor stand, zu uns hereineilte, sich grasend dazustellte, "Hallo" und "Ich hoffe, ihr habt nicht allzuviel in meiner Abwesenheit angestellt" sagte und mit sich und der Welt äußerst zufrieden war, während mein Boß zusah, den Kopf schüttelte und nichts mehr verstand - oder doch?

Von da an konnte Hvinur wieder regelmäßig geritten werden. Viel Schritt, etwas Trab und nur sehr wenig Galopp und letzteres auch nur dann, wenn er ihn von sich aus anbot. Aber da waren viele zwei- und dreistündige Ritte dabei und das in zum Teil sehr bergigen Gelände. Ich erinnere mich z.B. an einen Ausritt, wo wir uns etwas in der Ferne verirrt hatten und einen kleinen steilen Weg einschlugen, der himmelsrichtungsmäßig heimwärts zeigte, um noch einigermaßen im Hvinur zumutbaren Zeitlimit zu bleiben, nachdem die dritte Stunde angebrochen war und wir noch weit von zuhause entfernt waren. Der kleine Weg wurde immer enger und immer steiler. Er führte offensichtlich durch eine wild aufgewachsende Kolonie viel zu dicht stehender, mehr busch- als stammförmiger Jungbäume. Ihre Zweige klaschten bei jedem Schritt auf die Schenkel der höheren Instanzen. Nach einer Viertelstunde Aufstieg zeigte sich Licht am Ende des Tunnels, der Weg wurde flacher und hohe Laubbäume erhoben sich vor uns. Wir mußten jeden Moment die Höhe des Berges erreicht haben. Eine letzte Biegung und dann - dann stand sie da, die Wand aus schön gestapelten Baumstämmen, quer vor unseren Füssen zehn oder fünfzehn Meter nach links und rechts reichend, ein bis eineinhalb Meter hoch und nicht umgehbar. Mit Mühe hätten wir wenden können, aber da wieder runter?!? Mühsam absteigen und ganz außenrum reiten? Mein Boß stieg ab und kletterte auf den Stapel. Dahinter lag ein breiter Weg, der Richtung Heimat führte. Die größte Gefahr, wenn wir über den Stapel kletterten sollten, waren die Spalten und Furchen, die sich mal mehr oder weniger breit zwischen den Stämmen auftaten. Mein Boß suchte so lange, bis er im von uns erreichbaren Bereich eine Stelle gefunden hatte, wo die Stämme so lagen, daß die Spalten der verschiedenen Lagen nicht übereinanderlagen, um ein Einbrechen bis auf den Bauch zu verhindern, und wo die Spalten auch nicht eine Breite hatte, in denen sich ein Huf festsetzen könnte. Dann hatte er nur noch das Problem, ob wir da mitspielen würden. Und wir hatten das Problem, daß wir endlich heim wollten. Also begann ich ohne großen Widerspruch auf die Stämme zu steigen und meinem Boß zu folgen, der zu Fuß neben mir mit seinen Füßen genau vormachte, wo ich hinzutreten hatte. Und dann war ich drüber. Von Hvinur war nicht ein Haar zu sehen. Dann wurde es auf der anderen Seite etwas lauter und Hvinur erschien eilig über die Stämme eilend, die Chefin mehr darüberführend als umgekehrt. Zur Nachahmung sei das Ganze nicht empfohlen. Das Gebilde bestand immerhin aus 7-8 Baumstämmen in der untersten Lage und aus 3-4 Lagen insgesamt. Wir bekamen nach der Überquerung eine Schnaufpause gegönnt, weniger wegen der Überquerung als vielmehr wegen des steilen Anstieges zuvor. Als wir weiter wollten, lahmte Hvinur. Nach einigen hundert Metern Führens lief er sich wieder ein. Das kam immer wieder einmal vor. Eine ungeschickte Bewegung z.B. durch einen Stolperer, ein Loch oder ähnliches, und die Erschütterung seiner Sprunggelenke war offensichtlich zu stark. Aber das legte sich immer in kurzer Zeit. In Summe hatte Hvinur einen schweren Vierstundenritt an diesem Tag geschafft. Daheim angekommen wirkte er zwar nicht gerade munter, aber auch keineswegs mitgenommen oder überanstrengt. So ein Ritt und das mit einem Pferd, das Jahre zuvor laut Tierarzt zur Disposition stand: Sein oder Nichtsein.

Hvinur's Zustand bliebt so wie beschrieben einige Jahre stabil. Dann merkte man, daß ihm das Aufstehen und Anlaufen zunehmend wie in alten Zeiten Schwierigkeiten bereitete. Auch beim Reiten überraschten ihn die Lahmheiten zunehmend. Unsere höheren Instanzen wiederholten die Arumalonkur. Wiederum mit Erfolg. Wieder ein paar Jahre Ruhe. Dann wieder die alten Probleme. Degenerationserscheinungen wie Arthose sind eben irreparabel. Man kann nur die damit verbundenen Nebenerscheinungen dämpfen und die Weiterentwicklungen hemmen. Also die dritte Arumalonkur? Nein - wenn schon die vierte! Die dritte hatte nämlich Skotti über sich ergehen lassen müssen. Auch Skotti hatte nämlich irgendwann Schwierigkeiten mit der einen Hinterhand. Die primäre Ursache lag zwar im Fesselkopf, aber wie so die Tierärzte in der Klinik sind, nahmen sie gleich das ganze Bein auseinander, so daß nach Abspritzen und Spatprobe die Diagnose auch noch auf leichten Spat lautete. Auf Röntgen verzichteten die höheren Instanzen, da es Untersuchungen an Isländern gibt, wonach sehr viele röntgenologisch einen Spatbefund aufwiesen würden aber keinen klinischen Befund. Was nützt einem dann da die Röntgenaufnahme. Der Fesselkopf bekam eine vierzehntägige Bestrahlungstherapie, Skotti ein dickes Lob, weil er die Bestrahlung in der engen Bestrahlungskammer ohne Beruhigungsspritze aber mit viel Hafer aushielt, und vorbeugend eben eine Arumalonkur. Das liegt nun wohl auch schon fast fünfzehn Jahre zurück. Daß Skotti ganz leichten Spat hatte, merkte man nur bei sehr engen Wendungen oder beim Aufhalten beim Hufeausschneiden, aber er kam eigentlich nie zum Tragen.

Also die vierte Arumalonkur. Und wieder nein - das Medikament war nach Jahren von Anwendungen plötzlich wegen befürchteter Nebenwirkungen zumindest einmal befristet vom Markt genommen wurden. Unsere Instanzen hätten es dennoch auftreiben können, aber während sie noch überlegten, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben, also sich die Frage stellten, was wohl angenehmer wäre: Arthosebeschwerden oder Nieren-/Leberschäden, bot der Tierarzt selbstgefertigte Spattabletten auf hömöopathischer Basis an, mit denen er gute Erfolge verzeichnen konnte. Hvinur schluckte über einen längeren Zeitraum mehrere hundert Tabletten. Sein Zustand verbesserte sich zwar, aber bei weitem nicht so deutlich wie bei der Eingabe von Arumalon.

Der nächste Versuch hieß Gelatine in Form von Gelatinehydrolysat mit Zink- und Biotinzusatz. Vergleichbares wird in der Humanmedizin zur Behandlung von Arthrose und Gelenkproblemen eingesetzt. Hvinur bekam über einen längeren Zeitraum 5 oder 6 kg von dem Zeug im abendlichen Mash zugefüttert. Hvinur ging es zwar nicht schlecht, aber ob das der Gelatine zuzuschreiben war oder nicht, das weiß keiner.

In dem Moment, wo unsere höheren Instanzen beschlossen, doch zu versuchen, Arumalon aufzutreiben, stießen sie auf eine Alternative, die so verheißungsvoll klangt, ohne jede Nebenwirkung sein sollte und im Vergleich zu Arumalon noch spottbillig war: Methylsulfonylmethan oder kurz MSM. Das Zeug hätte noch einen weiteren riesigen Vorteil, meinte mein Boß, es sei zum Eingeben und er müßte keine fünf Zentimeter langen Kanüle mehr in Hvinur reinjagen. Drei Tage nach der ersten Eingabe von MSM war Hvinur nicht wiederzuerkennen: Alle durch Schmerz- und/oder Gelenkprobleme verursachte Unsauberheiten bis leichte Lahmheiten, insbesondere beim Anlaufen und in den Wendungen waren verschwunden, seine Gesichtszüge wirkten freundlicher und entspannter, er bockte herum, trabte mit uns aufwärts - das war ansonsten ein Ding der Unmöglichkeit - und versuchte, abwärts zu galoppieren. Das war nicht mehr Hvinur, das war ein neues Pferd. Wir und noch viel mehr unsere höheren Instanzen waren fassungslos. Hvinur bekam zehn Tage lang die volle Belastungsdosis und dann noch eine Weile die halbe Erhaltungsdosis von MSM, bis der Vorrat erschöpft war, dann nichts mehr. Es dauerte Monate, bis Hvinurs Ausgangszustand vor der Verabreichung von MSM wieder erreicht war.

Warum er zwischendurch nicht wieder MSM erhalten hatte? Ganz einfach: Der unseren höheren Instanzen bekannten einzigsten Bezugsquelle in Deutschland war der Verkauf verboten worden. Laut Händler mit dem Hinweis, es handele sich nicht um ein Ergänzungsfuttermittel sondern um ein Arzneimittel, das nur in Apotheken verkauft werden dürfe, aber als Arzneimittel hatte MSN keine Zulassung. Hvinur war auch so fit, daß unsere höheren Instanzen der Sache nicht weiter nachgingen, zumal unser Tierarzt der Meinung war, im Bedarfsfalle MSM auftreiben zu können. Außerdem sind unsere höheren Instanzen mißtrauische Wesen: Was ist in diesem weißen Salz bei dieser frappierenden Wirkung entgegen aller Aussagen "Zu 99,9% reines MSM" noch drin? Sie wollten Hvinur natürlich nichts mit schädigenden Nebenwirkungen verabreichen und wenn es nach reichlichem Abwägen von Vor- und Nachteilen denn dann doch sein mußte, dann wenigstens nur soviel MSM wie nötig, ansonsten sowenig wie möglich.

Wie der Zufall so spielt, stand just in dem Moment, wo Hvinur nach ca. eineinhalb Jahren in etwa wieder den Zustand erreicht hatte wie vor der Verabreichung von MSM, MSM wieder im Katalog eines anderen Händlers, dem der Verkauf allerdings auch nach kurzer Zeit untersagt wurde. Diesmal von einem irischen Hersteller. Flugs besorgt wiederholte sich das ganze Schauspiel. Hvinurs Bewegungsabläufe hatten sich genauso wie beim ersten Mal drastisch verbessert. Inzwischen wurden die MSM-Kuren alle paar Jahre wiederholt. Die Wirkung von MSM tritt zwar nicht mehr so spontan ein, weil offensichtlich kein Entzündungsvorgang mehr für Hvinur's Bewegungseinschränkung vorliegt, auf den MSM kurzfristig einwirken könnte, sondern eben ein mehr mechanischer Gelenksdefekt, auf den MSM durch die Aktivierung des Selbstheilungsprozesses des Körpers einwirkt. Schwefel ist ein Grundbaustein für Kollagen, dem Material in unseren Körpern, das uns Gestalt gibt und verhindert, daß wir einer amorphen Amöbe gleichen. Das dauert aber dann verständlicherweise seine Zeit.

Woher wir das MSM nehmen? Entweder insbesondere im anglosächsischen Raum (Großbritannien, Irland, USA) selber besorgen, wo es keine Handelsbeschränkungen gibt, im Gegenteil, in den USA wird es sogar schon dem Mineralwasser zugesetzt, oder den Tierarzt, der aber MSM nicht unbedingt kennen oder schätzen muß, ansprechen. Tierärzte kommen da eher ran. Allerdings hören wir aus der Ecke in der letzten Zeit auch von zunehmenden Beschaffungsschwierigkeiten. Und das obwohl das Zeugs eisenbahnwagonweise in Deutschland hergestellt wird. Die weiblichen Leser dieser Seite müssen nur ihre Lippenstifte, Hautcremes etc. auseinandernehmen, dann wissen sie, wo die ganze Produktion bleibt. Eine Beschaffungsalternative in Deutschland ist ferner der Handel mit Chemikalien. Als Chemikalie ist MSM in Deutschland erhältlich. Kleinere Mengen sind allerdings nur im Laborbedarf zu bekommen, ansonsten werden meist nur Mengen von 20 oder 25 kg aufwärts angeboten. Wichtig ist dabei auf möglichst reines MSM zu achten: 99% aufwärts. Zunehmend gehen auch Futtermittelhersteller dazu über, MSM als Chemikalie statt als Futterergänzungsmittel, dann aber notgedrungen mit dem vollen statt dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz, im Internet anzubieten. Und seit einiger Zeit ist MSM auch wieder in Deutschland als Tierfutterergänzungsmittel zu bekommen. Allerdings soll es schon wieder Bemühungen geben, es als solches zu verbieten.

Bei aller Skepsis: Unsere Erfahrungen bei Hvinur waren sensationell gut: "Ich werd wahnsinnig!, Das kann nicht sein!, Das gibt es nicht!, Ich trau meinen Augen nicht mehr!" Soweit mein Boß - und wischte sich die Freudentränen aus den Augen. Rückfragen bei den beiden ursprünglichen Händlern hatten damals ergeben, daß ihnen zu ihrem eigenen Erstaunen MSM von den Kunden gerade aus den Händen gerissen worden war. Selbst Tierärzte sollen sich damit eingedeckt haben. Wozu? Als Equipalazone Ersatz! Wer mehr über MSM erfahren möchte. Es gibt inzwischen auch ein deutschsprachiges kleines Büchlein mit dem Titel "MSM - eine Supersubstanz der Natur", allerdings von Zweibeiner für Zweibeiner geschrieben. Pferde sind da nur am Rande an einer Stelle erwähnt.

Unversucht blieb ein neuer in den letzten Jahren auf den Markt drängender Wirkstoff namens Glykosaminoglykane, der aus der grünlippigen Muschel aus Neuseeland gewonnen wird. Hvinur bekam nur für einige Tage eine Probeportion verabreicht, um zu testen, ob er das Zeug überhaupt zu sich nehmen würde, da es laut Hersteller etwas streng schmecken würde. Am ersten Tag war Hvinur zwar etwas mißtrauisch, aber das legte sich schnell. Wie gesagt, weiter verfolgt haben die höheren Instanzen diesen Weg jedoch nicht, weil es Hvinur dank MSM recht gut ging.

Nur als Ingwer gegen Schmerzen und Entzündungen hochkam, da haben sie nochmals losgeschlagen und es sofort bei Hvinur ausprobiert, was Hvinur nochmals für eine ganze Weile einen Schub an vermehrter Beweglichkeit verschaffte, der bei laufender Ingwergabe bis zu seinem Lebensende anhielt.

Quintesssenz des Ganzen: Noch mehr als zwanzig Jahre nach einer ersten Fragestellung bezüglich Einschläferns genoß Hvinur glücklich und zufrieden mit uns zusammen sein Leben und keiner wollte ihn missen. Arbeiten mußte er nur noch ein paar Jahre, aber das war vielleicht sogar eine falsche Rücksichtsnahme der höheren Instanzen. Mit dreißig Jahren starb er nicht an seiner Arthrose, sondern an einem geplatzen Blutgefäß. Die Erfahrung, die wir alle daraus gemacht haben, ist die, daß man Zeit und Geduld aufbringen muß. Schnelle Rezepte gibt es bei derartigen Problemen nicht. Allein die Zeit bringt manchmal nur die Rettung. Wir Isis sind zäh, verdammt zäh, und wir können uns selber helfen, wenn man uns die Zeit und mit Geduld die richtige Hilfestellung gibt. Ich glaube, jetzt habt ihr auch verstanden, was ich mit dem anfangs erwähnten Spruch zum Ausdruck bringen wollte.

Das zweite Beispiel dafür lieferte Skotti gleich in zweifacher Weise anhand seiner Hufrehe und später anhand eines Darmverschlusses.

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