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Friedrich Dürrenmatt
 
Lebensdaten
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Dürrenmatt-Texte im Netz



* 5. Januar 1921 Konolfingen
(Kanton Bern)

+ 14. Dezember 1990 Neuchâtel (Herzversagen)

Grabstätte existiert nicht; Asche unter einer Trauerbuche auf dem Dürrenmattschen Anwesen verstreut (Neuchâtel, Vallon de l'Ermitage; vgl. ZEIT 52/2012).

  

 
Dürrenmatt 1989
Bildquelle: Wikipedia (Foto: Elke Wetzig)
   

 
Einziger Sohn des protestantischen Pfarrers Reinhold Dürrenmatt und seiner Frau Hulda, geb. Zimmermann. Vor der schriftstellerischen Tätigkeit Zeichner und Graphiker.

1946

Heirat mit der Schauspielerin Lotti Geißler (+1983); Kinder: Peter (*1947), Barbara (*1949), Ruth (*1951)

1984

2. Ehe mit der Journalistin, Schauspielerin und Regisseurin Charlotte Kerr (1927-2011)

 
Neben Max Frisch der bedeutendste Schweizer Schriftsteller des 20. Jhs.; einer der großen Dramatiker der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Schonungsloser Moralist, der um das "Absurde dieser Welt" weiß. Neben Brecht auch wichtigster Dramentheoretiker: Theater als Abbild des labyrinthischen Zustands der Welt. In den gesellschaftskritischen Theaterstücken Stilmittel der Verfremdung in Verbindung mit tragisch-grotesken Elementen; der Typus der Tragikomödie ist für D. die "einzig mögliche dramatische Form, heute das Tragische auszusagen" ("Die Tragödie setzt Schuld, Not, Maß, Übersicht, Verantwortung voraus. In der Wurstelei unseres Jahrhunderts [...] gibt es keine Schuldigen und auch keine Verantwortlichen mehr. Alle können nichts dafür und haben es nicht gewollt. [...] Uns kommt nur noch die Komödie bei."). Seinen Weltruhm begründeten die Tragikomödien Der Besuch der alten Dame (ätzende Kritik an der Wohlstandsgesellschaft) und Die Physiker  (Verantwortung der Wissenschaft). Die späteren Dramen stießen dagegen auf geringere Resonanz.
 Die vom Existenzialismus beeinflussten Kriminalromane mit der skurrilen Hauptfigur des Kommissars Bärlach greifen einerseits auf bewährte Muster des Detektivromans zurück, stellen aber auch die klare Trennung von Gut und Böse in Frage.
 Hörspiele (in den 50-er Jahren), Filmdrehbücher, Theaterarbeit, zahlreiche Reden, Interviews, Aufsätze. 

Einer der meistgeehrten Autoren des 20. Jhs., viele seiner Werke gehören zur Standardlektüre der Lehrpläne.

Auszeichnungen (Auswahl):

1954

Literaturpreis der Stadt Bern

1959

Schiller-Preis der Stadt Mannheim

1969

Großer Literaturpreis des Kantons Bern
Ehrendoktorwürde der Temple University Philadelphia

1977

Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität Jerusalem
Ehrendoktorwürde der Université de Nice

1979

Großer Literaturpreis der Stadt Bern

1981

Ehrendoktor der Universität Neuchâtel

1983

Ehrendoktor der Universität Zürich

1984

Österreichischer Staatspreis für europäische Literatur

1986

Georg-Büchner-Preis


Wichtige Lebensdaten:

1928-33

Primarschule in Stalden bei Konolfingen.

1933-35

Sekundarschule in Großhöchstetten bei Konolfingen.

1935

Übersiedlung der Familie nach Bern.

1935-37

Besuch des Freien Gymnasiums.

1937-41

Humboldtianum.

1941

Maturitätsprüfung; 

1941-1945

Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft zunächst in Zürich, nach einem Semester in Bern (Abbruch). Entschluss, nicht Maler zu werden.

1943

Beginn der schriftstellerischen Tätigkeit.

1946-48

In Basel.

1947

Heirat mit Lotti Geißler.

1948-52

In Ligerz am Bieler See.

1952

Umzug nach Neuchâtel; Theaterkritiker für die Weltwoche.

1956

Literarischer Durchbruch mit dem Welterfolg Der Besuch der alten Dame.

1966-75

Ausgedehnte Reisen (u.a. 1964 u. 1967 Sowjetunion, 1969/70 USA, Karibik). Zunahme des tagespolitischen Engagements.

1968-69

Hausautor und künstlerischer Berater der Basler Bühnen; nach Auseinandersetzungen um die Bearbeitung von Lessings Minna von Barnhelm und um eine Neuinszenierung der Ehe des Herrn Mississippi zieht sich D. zurück.

1970-73

Theaterarbeit in Zürich; Skandal um die Uraufführung von Der Mitmacher: Der Regisseur Andrzej Wajda distanziert sich von seiner eigenen Inszenierung, weil der Autor unzulässig in sie eingegriffen habe. D. bleibt in der Folge dem Theater fern.

1974

Reise nach Israel.

1981

Auf Einladung der University of Southern California als writer in residence in Los Angeles.

1983

Jan.: Tod der ersten Frau. Nov.: Griechenland-Reise. Dez.: Südafrika.

1983-84

Dez. - Jan.: Südamerika-Reise.

1984

Zweite Heirat.

1985

Nov.: Ägypten-Reise.

1986

Sept.: Sizilien.

1987

Teilnahme an der von Gorbatschow initiierten Friedenskonferenz in Moskau.

1990

Polen-Reise (Besuch von Auschwitz).


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung in/Ursendung; Z = Zeitschriftenveröffentl.)

Dramen

1947

Es steht geschrieben (1946 e; 1947 a Zürich)

1947

Der Blinde (1948 a Basel)

1956

Romulus der Große. Eine ungeschichtliche historische Komödie in 4 Akten (1949 a Basel; 2.-5. Fassung 1958, 1961, 1964, 1980)

1952

Die Ehe des Herrn Mississippi. Eine Komödie in zwei Teilen (a München; 2.- 5. Fassung 1957,1964, 1970, 1980)

1954

Ein Engel kommt nach Babylon. Eine Komödie in 3 Akten (1953 a München; 2.+3. Fassung 1958, 1980)

1956

Der Besuch der alten Dame. Eine tragische Komödie (a Zürich; 2. Fassung 1980)

1960

Frank der Fünfte. Oper einer Privatbank (Musik von Paul Burkhard; 1959 a Zürich; 2.+3. Fassung 1964, 1980)

1962

Die Physiker (1961 e; 1962 a Zürich; 2. Fassung 1980)

1963

Herkules und der Stall des Augias. Eine Komödie (umgearb. Hörspiel; 1962 e; 1963 a Zürich)

1966

Der Meteor (1964-65 e; 1966 a Zürich; 2. Fassung 1980)

1967  

Die Wiedertäufer. Eine Komödie in 2 Teilen (a Zürich)

1971

Porträt eines Planeten (1967 e; 1970 a Düsseldorf)

1976 

Der Mitmacher (1973 a Zürich)

1977

Die Frist (a Zürich)

1979

Die Panne (urspr. Erzählung, dann Hörspiel; a Wilhelmsbad)

1983

Achterloo  (a Zürich)

Bearbeitungen und Inszenierungen

1967 

Die Wiedertäufer. Eine Komödie in 2 Teilen (Neubearb. v. Es steht geschrieben; a Zürich)

1968

König Johann. Nach Shakespeare (a Basel)

1969 

Play Strindberg. Totentanz nach August Strindberg (a Basel)

1970 

Urfaust (a Zürich)

1970 

Titus Andronicus. Eine Komödie nach Shakespeare (a Düsseldorf)

1972 

Woyzeck (a Zürich)

Drehbücher

1957

Der Richter und sein Henker (Fernsehspiel, ARD; Mitarbeit)

1958

Es geschah am hellichten Tag (Spielfilm; Mitarbeit)

1959

Der Besuch der alten Dame (Fernsehspiel, ARD)

1960

Abendstunde im Spätherbst (Fernsehspiel, ARD)

1961

Die Ehe des Herrn Mississippi (Spielfilm)

1962

Nächtliches Gespräch mit einem verachteten Menschen (Fernsehspiel, ARD)

1964

Die Physiker (Fernsehspiel, ARD)

1967

Frank V. (Fernsehspiel, ARD)

1978

Der Richter und sein Henker (Spielfilm; Mitarbeit)

Hörspiele

1957

Nächtliches Gespräch mit einem verachteten Menschen (Ein Kurs für Zeitgenossen) (1952 a BR)

1956 

Der Prozeß um des Esels Schatten. Ein Hörspiel (nach Wieland - aber nicht sehr) (1952 a BR)

1953

Stranitzky und der Nationalheld  (1952 a NWDR)

1954 

Herkules und der Stall des Augias. Mit Randnotizen eines Kugelschreibers (a NWDR)

1955

Das Unternehmen der Wega (2. Fass. 1969) (a BR, SDR, NDR)

1961 

Die Panne (1956 a BR)

1957 

Abendstunde im Spätherbst (a NDR)

1960 

Der Doppelgänger. Ein Spiel (a NDR, BR)

Romane

1952

Der Richter und sein Henker

1953

Der Verdacht. Kriminalgeschichte (1952 Z)

1955

Grieche sucht Griechin. Eine Prosakomödie

1958

Das Versprechen. Requiem auf den Kriminalroman

1985

Justiz

1989

Durcheinandertal

Erzählungen

1945 Z

Der Alte

1949

Pilatus (1946 e)

Nachrichten über den Stand des Zeitungswesens in der Steinzeit

1950

Der Nihilist (1946 e)

1952

Die Stadt. Prosa I-IV:

  • Weihnacht (1942 e)

  • Der Folterknecht (1943 e)

  • Der Hund (1951 e)

  • Das Bild des Sisyphos (1945 e; 1947 Z)

  • Der Theaterdirektor (1945 e)

  • Die Falle (= Der Nihilist, 1950)

  • Die Stadt (1947 e; = Aus den Papieren eines Wärters, 1980)

  • Der Tunnel

  • Pilatus (1949)

1956

Die Panne. Eine noch mögliche Geschichte

1971

Der Sturz

1976

Abu Chanifa und Anan Ben David

Smithy

Das Sterben der Pythia

1978

Friedrich Dürrenmatt Lesebuch; u.a.:

  • Mister X macht Ferien (Frgm.; 1957 e)

  • Die Wurst (1943 e)

  • Der Sohn (1943 e)

1980

Aus den Papieren eines Wärters

1981

Stoffe I-III:

  • Der Winterkrieg in Tibet

  • Mondfinsternis

  • Der Rebell

1985

Minotaurus. Eine Ballade

1986

Der Auftrag oder Vom Beobachten des Beobachters der Beobachter. Novelle in vierundzwanzig Sätzen

1990

Turmbau. Stoffe IV-IX:

  • Begegnungen

  • Querfahrt

  • Die Brücke

  • Das Haus

  • Vinter

  • Das Hirn

Aufsätze, Reden (Auswahl)

1952

Anmerkungen zur Komödie

1955

Theaterprobleme

1960 (1959 e)

Friedrich Schiller. Eine Rede (anlässlich der Übergabe des Schillerpreises)

1969

Monstervortrag über Gerechtigkeit und Recht. Nebst einem helvetischen Zwischenspiel

1970

Sätze aus Amerika

1976

Zusammenhänge. Essay über Israel. Eine Konzeption

1976

Der Mitmacher. Ein Komplex. Text der Komödie. Dramaturgie. Erfahrungen. Berichte. Erzählungen

1977

55 Sätze über Kunst und Wirklichkeit

1979

Albert Einstein. Ein Vortrag

1985

Kunst und Wissenschaft oder Platon oder Die Schwierigkeit einer Anrede. Eine Vorlesung

1986

Das Theater als moralische Anstalt heute. Rede zur Verleihung des Schiller-Gedächtnispreises

1991

Abschied vom Theater

Sammelausgaben

1957

Komödien I, Zürich (Arche)

1964

Komödien II und frühe Stücke, Zürich (Arche)

1972

Komödien III, Zürich (Arche)

1983

Stücke. 2 Bde., Berlin (Volk und Welt)

1961

Gesammelte Hörspiele, Zürich (Arche)

1986

Erzählungen, Berlin (Volk und Welt)

1966

Theater-Schriften und Reden, Zürich (Arche)

1972

Dramaturgisches und Kritisches. Theater-Schriften und Reden II, Zürich (Arche)

Gesamtausgaben

1980

Werkausgabe, hg. in Zusammenarbeit mit dem Autor, Zürich: Diogenes (30 Bde.)

1988

Gesammelte Werke, hg. v. Franz Josef Görtz, Zürich: Diogenes (7 Bde.)


Centre Dürrenmatt Neuchâtel


  

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