Autoren | Epochen
 

Wolfgang Koeppen
 
eigentl. Wolfgang Arthur Reinhold Köppen

Lebensdaten | Werk



* 23. Juni 1906
Greifswald

+ 15. März 1996 München

Grabstätte: München, Nordfriedhof

 

  
  

  

Erzähler, Essayist und Publizist.
Koeppens Hauptwerk, die Romantrilogie Tauben im Gras, Das Treibhaus und Der Tod in Rom, die innerhalb weniger Jahre in der frühen Adenauerzeit erscheint, stößt bei der konservativen zeitgenössischen Literaturkritik aus inhaltlichen und formalen Gründen auf wenig Gegenliebe; Koeppen selbst bleibt außerhalb literarischer Kreise lange weitgehend unbekannt; Durchbruch in der literarischen Öffentlichkeit erst spät (1976) mit dem autobiographischen Prosastück Jugend.
Koeppens Themen sind der Gegensatz Künstler-Bürger und das Identitätsproblem, das wohl auf die subjektive Erfahrung der eigenen Vaterlosigkeit zurückgeht. In der Nachkriegs-Romantrilogie wird das Bild der widersprüchlichen bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft gezeichnet. Am bekanntesten ist heute der Großstadtroman Tauben im Gras. In Der Tod in Rom verarbeitet Koeppen als erster deutscher Literat die Nazizeit. 
Erzähltechnik unter dem Einfluss der literarischen Moderne (Joyce, Dos Passos, Faulkner, Döblin): Erzählmosaik, innerer Monolog, Bewusstseinstrom, Montagetechnik, mythologische Anspielungen, Metaphorisierung.
Ab Mitte der 50er Jahre zieht sich Koeppen auf das Schreiben von Reiseessays zurück, mit denen er die Form des Reiseberichts erneuert.

        

Unehelicher Sohn der Näherin und Souffleuse am Greifswalder Stadttheater Marie Köppen (1877-1925); Vater: der Augenarzt und Dozent Dr. Reinhold Halben, zeitlebens ohne Verbindung zum Sohn. "Ein Emigrant bei meiner Geburt": Unterwegssein ist ein Grundzug von Koeppens Leben. Die Jugend ist belastet durch den Makel der unehelichen Geburt, die abgebrochene Schulausbildung und die damit fehlende Berufsausbildung. Lange Zeit muss Koeppen sich deshalb mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten. Privater Bildungshunger ersetzt die formale Ausbildung. 

 

1948

Eheschließung mit der Tänzerin Marion Ulrich (1927-1984)

Auszeichnungen (Auswahl)

1962

Georg-Büchner-Preis

1965

Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste

1967

Immermann-Preis

1971

Andreas-Gryphius-Preis

1984

Arno-Schmidt-Preis

1990

Ehrendoktorwürde der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

1993

Ehrenbürger der Stadt Greifswald

 


Wichtige Lebensdaten:

23.6.1906

Uneheliche Geburt in Greifswald.

1908

Nach dem Tod der Großmutter Übersiedlung von Mutter und Sohn nach Thorn/Ostpreußen zur Schwester der Mutter, Olga (Haushälterin und Lebensgefährtin des Baurats Theodor Wille).

1912

Umzug Willes mit Olga, Marie und Wolfgang nach Ortelsburg/Masuren.

1912-19

Besuch der Grundschule und des Realgymnasiums.

1919

Rückkehr nach Greifswald; aus finanziellen Gründen Wechsel auf die Mittelschule; vorzeitiger Abgang von der Schule.

1919-21

Laufbursche in einer Buchhandlung; Volontariat am Stadttheater. – Gasthörer an der Universitär Greifswald.

1921-24

Als Schiffskoch zur See (Schweden, Finnland); Gelegenheitsarbeiten in Hamburg.

1924

Engagement am Theater von Wismar abgebrochen; als Fabrikarbeiter bei der Firma Osram in Berlin.

1925

Tod der Mutter.

1926/27

Dramaturg und Assistenzregisseur am Würzburger Stadttheater; Wechsel nach Berlin, im "Dramaturgischen Kollektiv" Erwin Piscators; Pressearbeit und Gelegenheitsjobs.

1931-33

Auf Vermittlung Herbert Iherings erste feste Anstellung beim Berliner Börsen-Courier als Feuilletonredakteur; Aufenthalte in Paris und Italien.

1934

Emigration in die Niederlande, ins "freiwillige Exil" (Scheveningen, Den Haag); Kontakt zu Klaus und Erika Mann. – Gelegenheitsarbeiten.

1938

Rückkehr nach Deutschland (Berlin); auf Vermittlung Ernst von Salomons und Paul Verhoevens Drehbuchautor für die UFA und ab 1941 für die Bavaria-Film-Kunst; vorerst vom Kriegsdienst zurückgestellt.

1943

Koeppens Wohnhaus in München wird während eines Berlin-Aufenthalts bombardiert; Koeppen, in Gefahr, als "Drückeberger" denunziert zu werden, macht sich den Umstand zunutze und taucht unter.

ab 1943

In einer Pension in Feldafing am Starnberger See; Bekanntschaft mit der 16-jährigen Marion Ulrich; Überleben unter ärmlichsten Verhältnissen.

1944

Liebesbeziehung mit Marion Ulrich.

1945

Zeitweilig Tätigkeit als Hilfspolizist der Alliierten.

ab 1945

Ständiger Wohnsitz in München.

1948

24.11.: Eheschließung mit Marion Ulrich.

1949

Kontakt mit dem Verleger Henry Goverts; Beginn einer Phase literarischer Produktivität.

1955

Auf Vermittlung Alfred Anderschs Aufträge zu Reisebeschreibungen für den Rundfunk; Spanien-Reise als Auftakt zu längeren Reisen durch Europa und die USA.

1956

Rom.

1957

Sowjetunion, Warschau, Den Haag, London.

1958

USA-Reise.

1959

Frankreich.

1961

Griechenland.

1982/83

Poetikvorlesung an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt/M.

1984

15.4.: Tod der alkoholkranken Ehefrau Marion in München.

1996

15.3.: Tod im Münchener Altenheim Leonhard-Henninger-Haus.


  


Werke:

e = entstanden

Romane

1934

Eine unglückliche Liebe

1935

Die Mauer schwankt (Neuaufl. 1939 unter dem Titel Die Pflicht)

1948

Aufzeichnungen aus einem Erdloch (Überarbeitung eines Manuskripts des Holocaust-Überlebenden Jakob Littner; = Jakob Littners Aufzeichnungen aus einem Erdloch, 1992)

1951

Tauben im Gras

1953

Das Treibhaus

1954

Der Tod in Rom

1987

Morgenrot. Anfänge eines Romans:

  • Morgenrot (1976; Frgm.)

  • Ein Anfang ein Ende (1978; Frgm.)

  • Der Sarkophag der Phädra (1950; Frgm.)

2000

Die Jawang-Gesellschaft. Ein Roman (Frgm.)

Erzählende Prosa

1972  

Romanisches Café. Erzählende Prosa:

  • Romanisches Café (1965)

  • Trümmer, oder wohin wandern wir aus (1948)

  • Verlobung im Alten Salon (1941)

  • Melancholia (1968)

  • Der Sarkophag der Phädra (1968, 1950 e)

  • Zum ersten Mal in Rotterdam (1935)

  • In meiner Stadt war ich allein (= Als ich Gammler war, 1969)

  • Anarchie (1969)

  • Thanatologie (= An mich selbst, 1967)

  • Schön gekämmte, frisierte Gedanken (1956)

1976

Jugend (autobiogr. Erzählfrgm.)

1987

Angst. Erzählende Prosa

1993

Auf dem Hochsitz. Ein Mord, den jeder begeht

2000

Auf dem Phantasieroß. Prosa aus dem Nachlaß

Reiseessays

1958

Nach Rußland und anderswohin. Empfindsame Reisen

1959

Amerikafahrt (darin New York, 1961)

1961

Reisen nach Frankreich

1991

Es war einmal in Masuren

1994

Ich bin gern in Venedig warum

1997

Proportionen der Melancholie. Drei fränkische Stadtbilder. Nürnberg - Würzburg - Bayreuth

2000

Die Erben von Salamis. Oder: Die ernsten Griechen

2001

Muß man München nicht lieben?

Autobiographisches

1961

Umwege zum Ziel. Ein Selbstportrait

1976

Jugend (autobiogr. Erzählfrgm.)

1997

Wolfgang Koeppen: Ich?

Rede

1962

Büchner-Preis-Rede

Aufsätze (Auswahl)

1952

Die elenden Skribenten

1955

Malcolm Lowry. Ein Schriftstellerportrait
Der kleine und der große Aufstand: 1. T. H. Lawrence, 2. H. Miller

1957

Friedo Lampe und Felix Hartlaub
Die Summe der Sensibilität

1961

Honoré de Balzac. Ein literarisches Portrait
Max Liebermann

1981

Die elenden Skribenten. Aufsätze

Werkausgabe

1986

Gesammelte Werke, hg. v. Marcel Reich-Ranicki, Frankfurt/M.: Suhrkamp (6 Bde.)


Wolfgang-Koeppen-Stiftung

Koeppenhaus

Koeppen-Zeitung des Suhrkamp-Verlags

Figurenlexikon


   

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