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Leo(pold) Perutz

  
Lebensdaten
| Werk

Perutz-Texte im Netz


 
* 2. November 1882 Prag

   

+ 25. August 1957 Bad Ischl (Herzversagen)

   

Grabstätte: Bad Ischl, Friedhof



  

   

Leo Perutz vor 1925
Bildquelle: Wikipedia

   

  
Österreichischer Erzähler und Dramatiker.
Aus wohlhabender jüdisch-assimilierter Kaufmannsfamilie. Ältester Sohn des Textilunternehmers Benedict Perutz (1847-1926) und seiner Frau Emilie, geb. Österreicher ("Emma", 1857-1923). Brüder: Paul (1885-1956), Hans (1892-1969); Schwester: Charlotte Lilly (1888-1980).  Jugend in Prag, später in Wien. Geht ohne Abschluss vom Gymnasium ab; Ausbildung zum Versicherungsmathematiker; nach dem Erfog seiner Romane freier Schriftsteller. In den zwanziger Jahren zentrale Figur der Wiener Kaffehausszene. Nach der Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland Emigration nach Palästina. Finanzielle Sorgen, familiäre Auseinandersetzungen, Heimweh und Schaffenskrise prägen sein Leben im Exil. Ab 1948 wieder im alten Beruf. Nach dem Krieg regelmäßige Sommeraufenthalte in Österreich.
   

1918-1928

1. Ehe mit Ida Weil (1896-1928); Kinder: Michaela (1920-2003), Leonore (1922-1986), Felix (*1928)

1935

Eheschließung mit Grete Humburger (1904-1967)

  

In der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg einer der meistgelesenen Erzähler deutscher Sprache. Sein Werk umfasst Romane, Erzählungen, Theaterstücke und Reiseberichte und wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Im Exil und in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg nahezu vergessen; Wiederentdeckung in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. In seinen Romanen verbindet er  historische, kriminalistische und phantastische Elemente, Traum und Wirklichkeit. Ihr Strukturprinzip hat man auf die Formel „Mystik plus Mathematik“ gebracht. Daniel Kehlmann: "Leo Perutz ist der größte magische Realist unserer Sprache, ein Virtuose des Rätsels."

 

Auszeichnung:
  

1962

Le prix nocturne (postum für Der Marques de Bolibar) 

 


Wichtige Lebensdaten:

1888-1893

Volksschule des Pairisten-Ordens in Prag-Neustadt.

1893-1899

Besuch des k.u.k. Deutschen Staatsgymnasiums in Prag.

1899

Schulverweis. 

1899-1901

K. und k. Gymnasium in Krumau. Nichtzulassung zur Matura.

1901

Verlagerung der väterlichen Firma nach Wien; Übersiedlung der Familie. Besuch des k. und k.  Erzherzog-Rainer-Gymnasiums.

1902

Schulabgang ohne Matura. Beschäftigung in der Firma seines Vaters. Verkehr im literarischen Verein Freilicht. Bekanntschaft mit Richard A. Bermann und Ernst Weiß.

1903

Okt.: Ableistung des Wehrdienstes als Einjährig-Freiwilliger beim k.k. Landwehrregiment Nr. 8 in Prag. Verpflichtung für ein zweites Jahr.

1904

Dez.: Aus gesundheitlichen Gründen Ausscheiden aus der Armee im Rang eines Korporals.

1905

Gasthörer an der Uni Wien (Mathematik, Volkswirtschaftslehre).

1906

An der Technischen Hochschule Wien. Beschäftigung mit Versicherungsmathematik, Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung. - Erste literarische Veröffentlichungen.

1907-1923

Tätigkeit als Versicherungsmathematiker in Triest (wie Kafka bei der Assicurazioni Generali), ab 1908 in Wien.

1909-1911

Versicherungsmathematische Publikationen ("Perutzsche Ausgleichsformel" der Rentenberechnung).

1915

Aug.: Einberufung als Landsturm-Infanterist; Einsatz an der Ostfront.

1916

4. Juli: lebensgefährliche Verletzung (Lungenschuss); langwieriger Lazarettaufenthalt. - Beförderung zum Leutnant; Dienst im Kriegspressequartier; Freundschaft mit Egon-Erwin Kisch.

1918

19. März: Verehelichung mit der Arzttochter Ida Weil.

1923

Nach dem Erfolg des Romans Der Meister des Jüngsten Tages Aufgabe der Tätigkeit als Versicherungsmathematiker; P. widmet sich beruflich fortan dem Schreiben.

1928

13. März: Tod der ersten Frau nach der Geburt des dritten Kindes (Lungenentzündung). Depressionen, tiefe Lebenskrise. - In St. Wolfgang erste Begegnung mit Alexander Lernet-Holenia.

1933

Nach der Machtergreifung Hitlers werden Perutz' Werke in Deutschland boykottiert.

1935

16. Mai.: Zweite Heirat. Familiäre Spannungen, schwierige finanzielle Situation (Wirtschaftskrise).

1938

9. Juli: Nach dem Anschluss ans Deutsche Reich verlässt P. mit seiner Familie Österreich; über Venedig nach Haifa (Sept.); Wohnsitz in Tel Aviv; Unterstützung durch seinen bereits früher geflohenen Bruder.

1940

Palästinensische Staatsbürgerschaft.

1941-1946

Auf Vermittlung von Freunden (Annie und Hugo Lifcis) erscheinen mit Hilfe von Jorge Luis Borges Perutz' Romane in in spanischer Sprache in Argentinien.

1941

Verfilmung der Komödie Morgen ist Feiertag in Argentinien (Historia de una noche).

1948

Versicherungsmathematiker bei einer Lebensversicherung.

1952

Wiederannahme der österreichischen Staatsbürgerschaft. P. verbringt bis zu seinem Tod die Sommermonate im Salzkammergut (St. Wolfgang).

1957

Gesundheitlicher Zusammenbruch in St. Wolfgang im Haus seines Freundes Alexander Lernet-Holenia; 25. Aug.: Tod im Krankenhaus von Bad Ischl.


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung in; Z = Zeitschriftenveröffentlichung)

Romane

1915

Die dritte Kugel

1916

Das Mangobaumwunder. Eine unglaubwürdige Geschichte (zusammen mit Paul Frank)

1918

Zwischen neun und neun

1920

Der Marques de Bolibar

1923

Der Meister des Jüngsten Tages

1924

Turlupin

1928

Der Kosak und die Nachtigall (zusammen mit Paul Frank)

1928

Wohin rollst du, Äpfelchen?

1933

St. Petri-Schnee

1936

Der schwedische Reiter

1953

Nachts unter der steinernen Brücke. Ein Roman aus dem alten Prag

1959

Der Judas des Leonardo

1996 

Mainacht in Wien. Romanfragmente. Kleine Prosa. Feuilletons:

  • Der Vogel Solitär (1922 e, Frgm.)

  • Mainacht in Wien (1938 e, Frgm.)

Erzählprosa

1907 Z

Der Feldwebel Schramek

1918 Z

Gespräch mit einem Soldaten

1919 Z

Dienstag, 12. Oktober 1916

1920

Das Gasthaus zur Kartätsche. Eine Geschichte aus dem alten Österreich (= Der Feldwebel Schramek, 1907 Z)

1921

Die Geburt des Antichrist

1924 Z

Der Tag ohne Abend

1930

Herr, erbarme dich meiner. Novellen:

  • Herr, erbarme dich meiner

  • Dienstag, 12. Oktober 1916 (1919 Z)

  • Die Geburt des Antichrist (1921)

  • Der Mond lacht (1916 e)

  • Das Gasthaus zur Kartätsche (1920)

  • Nur ein Druck auf den Knopf

  • Der Tag ohne Abend (1924 Z)

  • Gespräch mit einem Soldaten (1918 Z)

  • Pour avoir bien servi (1911 e)

1996

Mainacht in Wien. Romanfragmente. Kleine Prosa. Feuilletons:

  • Armes Kasperl! (1906 e)

  • Der Feldwebel Schramek (1907 e)

  • Der Tod des Messer Lorenzo Bardi (1907 e)

  • Der Bruder des Leonardo. Ein Gespräch (1908 e)

  • Pour avoir bien servi (1911 e, 1930)

  • Die Hatz auf den Mond (1915 e)

2002

Wenn jemand eine Reise tut...

Mein neuester Roman

2007

Von den traurigen Abenteuern des Herrn Guidotto

Dramen

1930 a Wien

Die Reise nach Preßburg (zusammen mit Paul Frank)

1935 a Wien

Morgen ist Feiertag (Komödie; zusammen mit Hans Adler u. Paul Frank)

Feuilletons

1996

Mainacht in Wien. Romanfragmente. Kleine Prosa. Feuilletons:

 

Reisefeuilletons:

  • Skizzen aus der Ukraine (1918 e)

  • Die zweitteuerste Stadt der Welt (1918 e)

  • Skizzen aus dem Südosten (1918 e)

  • Karthago (1924 e)

  • Der Nationalfeiertag im Dorfe (1924 e)

  • Fantasia in Kairouan (1925 e)

  • Arabische Cafés (1924 e)

  • Der letzte Kreuzzug (1927)

Literaturfeuilletons:

  • Indien (1907 e)

  • Um 1750 (1907 e)

  • Gustav Wied (1907 e)

  • Schnitzler (1908 e)

  • Paul Madsack: Der schwarze Magier (1925 e)

  • Diskussion im Schaufenster (1919 e)

  • Vae victis (1925 e)

  • Thornton Wilder: Die Brücke von San Luis Rey (1929 e)

  • Klage um einen Toten (1939 e)

Übersetzungen

1925

Das Jahr der Guillotine (Victor Hugo: Quatre-vingt treize; zusammen mit Oswald Levett)

1929

Flammen auf San Domingo (Victor Hugo: Bug-Jargal; zusammen mit Oswald Levett)

       


Perutz-Seite von Michael Mandelartz, Uni Tokyo


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