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Arthur Schnitzler
 

Lebensdaten
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Schnitzler-Texte online


 
* 15. Mai 1862 Wien

+ 21. Oktober 1931 Wien (Gehirnblutung)

Grabstätte: Wien, Zentralfriedhof (zus. mit dem Bruder Julius)
 

 

Arthur Schnitzler 1885
 

  
Österreichischer Dramatiker und Erzähler. Im Kreis der "Wiener Moderne" (Impressionismus, Symbolismus). Vor dem 1. Weltkrieg meistgespielter Bühnenautor; danach als Dichter einer versunkenen Welt angesehen; Verbot seiner Werke durch die Nazis. Nach dem 2. Weltkrieg neu entdeckt.
 Schnitzlers Oeuvre kreist in psychologischer Analyse um die müde Resignation und graziöse Melancholie der dekadenten Welt des Wiener Fin de siècle, der Welt der Großbürger, Intellektuellen, Bonvivants, Künstler und Offiziere. Thematisiert werden Sexualität, Tod, Einsamkeit und Orientierungslosigkeit des Einzelnen. Zentrales Motiv ist die Erotik in all ihren Formen; die seinerzeit für einen Skandal sorgende, kettenartig komponierte Dialogfolge des Reigen gibt, soziale Eigenarten psychologisch genau beobachtend, einen Querschnitt durch die damalige Wiener Gesellschaft. Die Novelle Lieutenant Gustl stellt eines der frühesten Beispiele für eine erzähltechnische Neuerung dar: den konsequent durchgeführten "inneren Monolog" (Bewusstseinsstrom).
 Was nun im besonderen Arthur Schnitzler betrifft, so scheint hier [...] zu bemerken, daß er repräsentativ für eine Epoche, ein Land, eine Monarchie war und ist; daß seine dramatische und epische Leistung mit den lächerlichen privaten Konfessionen und Reportagen der "jungen Generation" nicht zu vergleichen ist; daß seine Sprache der dichterische Reiz der Melancholie auszeichnet und nicht der blanke, nackte Schimmer einer Tatsachenhäufung und nicht das Rufzeichen-Pathos politischer Anklagen (Joseph Roth, 1930).

  

Aus der assimilierten jüdischen Oberschicht der Donaumonarchie: ältester Sohn des Kehlkopfspezialisten und Direktors der Allgemeinen Wiener Poliklinik Prof. Dr. Johann Schnitzler (1835-1893) und seiner Frau Louise Schnitzler, geb. Markbreiter (1838-1911). Geschwister: Julius (1865-1939), Gisela (1867-1953).

 

1903

Heirat mit der Schauspielerin Olga Gussmann (1882-1970); Kinder: Heinrich (*1902), Lili (1909-1928; Suizid)

1921

Ehescheidung

Auszeichnungen:

1903

Bauernfeld-Preis (für Lebendige Stunden)

1908

Grillparzer-Preis (für Zwischenspiel)

1914

Raimund-Preis (für Der junge Medardus)

1920

Volkstheaterpreis (für Professor Bermhardi)

1926

Burgtheaterring


Wichtige Lebensdaten:

1871-1879

Akademisches Gymnasium.

1879

Juli: Matura mit Auszeichnung. Aug./Sept.: Reise nach Amsterdam. Medizinstudium in Wien.

1882-83

Okt.: Einjährig-Freiwilliger im Garnisonsspital Nr. 1 in Wien.

1885

Mai: Promotion zum Dr. med.; Aug.: Reise nach Mailand; Sept.: Assistenzarzt im Allgemeinen Krankenhaus und in der Poliklinik, Abteilung Nervenpathologie. - Bekanntschaft mit Sigmund Freud.

1886

April: wegen eines Tuberkuloseverdachts Kuraufenthalt in Meran; Liebesbeziehung mit der Wirtin des Thalhofes in Reichenau, Olga Waissnix (1862-1897); Nov.: Sekundararzt in der Psychiatrie; regelmäßige Publikationen in literarischen Zeitschriften.

ab 1887

Redakteur bei der Internationalen Klinischen Rundschau.

1888

Apr. - Aug.: Studienreisen nach Berlin und London; Assistent des Vaters an der Poliklinik; Beschäftigung mit Suggestion und Hypnose.

1889

Verhältnis mit der Schauspielerin Marie "Mizi" Glümer (1873-1925).

1890

Bekanntschaft mit den Literaten des "Jungen Wien": Hofmannsthal, Salten, Beer-Hofmann, Bahr.

1893

Tod des Vaters; Eröffnung einer Privatpraxis; erster Theaterskandal bei der Uraufführung von Das Märchen.

1894

Erste Begegnung mit der Gesangslehrerin Marie Reinhard (1871-1899). Beginn des Briefwechsels mit dem dänischen Literarhistoriker Georg Brandes.

1895

Beginn des Briefwechsels mit Otto Brahm, dem Direktor des Deutschen Theaters Berlin.

1896

Juli - Aug.: Reise nach Skandinavien; Besuch bei Henrik Ibsen in Oslo; beginnende Ohrenerkrankung.

1898

Sommer: mit dem Fahrrad durch Österreich, die Schweiz, Oberitalien (teilweise gemeinsam mit Hofmannsthal).

1899

Marie Reinhard stirbt nach einem Blinddarmdurchbruch; erste Begegnung mit Olga Gussmann.

1901

Nach einem ehrenrätlichen Verfahren wegen der Veröffentlichung von Lieutenant Gustl wird S. der Offiziersrang abgesprochen.

1902

Mit Otto Brahm bei Gerhart Hauptmann in Agnetendorf. - Geburt des Sohnes Heinrich.

1903

Heirat mit Olga Gussmann.

1909

Geburt der Tochter Lili.

1910

Kauf und Bezug des Hauses Sternwartestraße 71, Wien XVIII (Währing).

1911

Tod der Mutter.

1912

Verbot der geplanten Uraufführung des Reigen in Budapest (in ungarischer Sprache) und von Professor Bernhardi in Wien. Tod Otto Brahms.

1921

17.2.: Nach einem Tumult während einer Reigen-Aufführung in Wien werden weitere Aufführungen verboten (Aufhebung des Verbotes 1922); 22.2.: organisierter Skandal während einer Reigen-Aufführung des Kleinen Schauspielhauses in Berlin; Anklage wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses gegen Direktion und Schauspieler; Freispruch; Schnitzler sperrt das Stück (Sperre bis 1981).
26.6.: Ehescheidung; die Kinder bleiben bei Schnitzler.

1922

Erstes längeres Zusammentreffen mit Sigmund Freud.

1923

Erster Präsident des österreichischen PEN-Clubs.

1926

Letztes Zusammentreffen mit Sigmund Freud in Berlin.

1927

Die Tochter Lili heiratet den italienischen Hauptmann Arnoldo Cappellini.

1928

26.7.: Lili nimmt sich in Venedig das Leben: "Mit jenem Julitag war mein Leben doch zu Ende."

1931

21. Okt.: Tod infolge einer Gehirnblutung.


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung in)

Dramen

1888 

Das Abenteuer seines Lebens. Lustspiel (1891 a Wien)

1890

Alkandi´s Lied. Dramatisches Gedicht (1889 e)

1893 

Anatol (Zyklus; 1910 a Wien / Berlin)

  • Die Frage an das Schicksal (1890; 1889 e; 1896 a Leipzig)

  • Weihnachtseinkäufe (1891; 1898 a Wien)

  • Episode (1889; 1888 e; 1898 a Leipzig)

  • Denksteine (1891; 1890 e; 1916 a Wien)

  • Abschiedssouper (1893; 1891 e; 1893 a Bad Ischl)

  • Anatols Hochzeitsmorgen (1890; 1888 e; 1901 a Berlin)

  • Anatols Größenwahn (1955; 1891 e; 1932 a Wien)

1891 

Das Märchen. Schauspiel (1893 a Wien)

1896  

Die überspannte Person. Ein Akt (1894 e; 1932 a Wien)

1896  

Liebelei. Schauspiel (1894 e; 1895 a Wien)

1897  

Halbzwei. Ein Akt (1894 e; 1932 a Wien)

1898  

Freiwild. Schauspiel (1896 e; a Berlin)

1900

Reigen. Zehn Dialoge (1897 e; als "unverkäufliches Manuskript" in 200 Exemplaren gedruckt (1903 a München [teilw.]; 1920 a Berlin)

1898

Paracelsus. Versspiel (1897 e; 1899 a Wien)

1899  

Das Vermächtnis. Schauspiel (1897 e; 1898 a Berlin)

1899  

Die Gefährtin. Schauspiel (1898 e; a Wien)

1899  

Der grüne Kakadu. Groteske (1898 e; a Wien)

1901  

Der Schleier der Beatrice. Schauspiel (1899 e; 1900 a Breslau)

1901  

Sylvesternacht. Ein Dialog (1900 e; 1926 a Wien)

1902  

Lebendige Stunden. Vier Einakter (1900-01 e; 1902 a Berlin)

  • Lebendige Stunden

  • Die Frau mit dem Dolche

  • Die letzten Masken

  • Literatur

1904

Der einsame Weg. Schauspiel (1903 e; a Berlin)

1906

Marionetten. Drei Einakter (1902-04 e)

  • Der Puppenspieler (1903; a Berlin)

  • Der tapfere Cassian (1904; a Berlin)

  • Zum großen Wurstel (1905; 1906 a Wien; urspr. Fass. u.d.T. Marionetten 1901 a Berlin)

1906  

Zwischenspiel. Komödie (1904 e; 1905 a Wien)

1906  

Der Ruf des Lebens. Schauspiel (1905 e; a Berlin)

1908  

Komtesse Mizzi oder Der Familientag. Komödie in einem Akt (1907 e)

1908

Die Verwandlungen des Pierrot. Pantomime in einem Vorspiel und sechs Bildern

1909 

Der tapfere Kassian. Singspiel (Musik von Oscar Straus; a Leipzig)

1910

Der junge Medardus. Dramatische Historie (1909 e; a Wien)

1910

Der Schleier der Pierrette. Pantomime (Musik von Ernst von Dohnányi; a Dresden)

1911

Das weite Land. Tragikomödie (1910 e; a Berlin, Breslau, München, Hamburg, Prag, Leipzig, Hannover, Bochum, Wien)

1912 

Professor Bernhardi. Komödie (a Berlin)

1915 

Komödie der Worte. Drei Einakter (a Wien, Darmstadt, Frankfurt/M.)

  • Stunde des Erkennens

  • Große Szene

  • Das Bacchusfest

1917 

Fink und Fliederbusch. Komödie (a Wien)

1919 

Die Schwestern oder Casanova in Spa. Ein Lustspiel in Versen (1920 a Wien)

1926 

Der Gang zum Weiher (1921 e; 1931 a Wien)

1924

Komödie der Verführung (1923 e; a Wien)

1930  

Im Spiel der Sommerlüfte (1929 e; a Wien)

1966

Das Wort

1970

Zug der Schatten

1975

Ritterlichkeit (Frgm.)

Romane

1901

Frau Bertha Garlan (1900 e)

1908

Der Weg ins Freie  (1905-07 e)

1928

Therese. Chronik eines Frauenlebens

Erzählungen

1886

Er wartet auf den vazierenden Gott

1889

Amerika (1887 e)
Mein Freund Ypsilon
Der Andere

1891

Reichtum (1889 e)

1892

Der Sohn

1894

Die drei Elixire (1890 e)
Sterben (1892 e)
Der Witwer

1895

Die kleine Komödie (1893 e)

1898

Die Frau des Weisen. Novelletten:

  • Die Frau des Weisen (1897; 1896 e)

  • Ein Abschied (1896; 1895 e)

  • Der Ehrentag (1897)

  • Blumen (1894)

  • Die Toten schweigen (1897)

1899

Um eine Stunde

1900

Lieutenant Gustl

1902

Exzentrik

1903

Die grüne Krawatte (1901 e)

1905

Die griechische Tänzerin. Novellen:

  • Der blinde Geronimo und sein Bruder (1900)

  • Die Toten schweigen (1897)

  • Die Weissagung

  • Das neue Lied

  • Die griechische Tänzerin (1902)

1907

Geschichte eines Genies

1907

Dämmerseelen. Novellen:

  • Das Schicksal des Freiherrn von Leisenbohg (1904; 1903 e)

  • Die Weissagung (1905; 1904 e)

  • Das neue Lied (1905)

  • Die Fremde (1902 u.d.T. Dämmerseele)

  • Andreas Thameyers letzter Brief (1902; 1900 e)

1912

Masken und Wunder. Novellen:

  • Der Tod des Junggesellen (1908; 1907 e)

  • Der tote Gabriel (1907)

  • Das Tagebuch der Redegonda (1911; 1909 e)

  • Der Mörder (1911; 1910 e)

  • Die dreifache Warnung (1911)

  • Die Hirtenflöte (1911)

1913

Frau Beate und ihr Sohn

1917

Doktor Gräsler, Badearzt

1918

Casanovas Heimfahrt

1924

Fräulein Else

1924

Die dreifache Warnung. Novellen:

  • Die Frau des Weisen (1897)

  • Die dreifache Warnung (1911)

  • Der blinde Geronimo und sein Bruder (1900)

1925

Die Frau des Richters

1926

Traumnovelle
Spiel im Morgengrauen

1931

Flucht in die Finsternis

1931

Traum und Schicksal. Sieben Novellen:

  • Traumnovelle (1926)

  • Spiel im Morgengrauen (1926)

  • Frau Beate und ihr Sohn (1913)

  • Der blinde Geronimo und sein Bruder (1900)

  • Die Hirtenflöte (1911)

  • Die Fremde (1902)

  • Das Schicksal des Freiherrn von Leisenbohg (1904)

1932

Die kleine Komödie. Frühe Novellen:

  • Amerika (1889; 1887 e)

  • Er wartet auf den vazierenden Gott (1886)

  • Der Witwer (1894)

  • Der Andere (1889)

  • Welch eine Melodie (1885 e)

  • Der Empfindsame (1895 e)

  • Ein Erfolg (1900 e)

  • Geschichte eines Genies (1907)

  • Legende (1900 e; Frgm.)

  • Um eine Stunde (1899)

  • Wohltaten, still und rein gegeben (1931; 1900 e)

  • Die Braut (1891 e)

  • Die grüne Krawatte (1903; 1901 e)

  • Exzentrik (1902)

  • Mein Freund Ypsilon (1889)

  • Die drei Elixiere (1894; 1890 e)

  • Der Fürst im Hause (1888 e)

  • Erbschaft (1887 e)

  • Der Sohn (1892)

  • Komödiantinnen. Helene - Fritzi (1893 e)

  • Reichtum (1891; 1889 e)

  • Die Nächste (1899 e)

  • Die kleine Komödie (1895; 1893 e)

  • Der letzte Brief eines Literaten (1917 e)

  • Der Sekundant (1931 e)

1937

Abenteurernovelle (1928 e, Frgm.)

1957

Boxeraufstand (1901 e, Frgm.)

1977

Ich (1917 e)

2014

Später Ruhm (1894 e)

Lyrik

1969

Frühe Gedichte

Schriften

1927

Der Geist im Wort. Der Geist in der Tat (philos. Diagramme)

1939

Über Krieg und Frieden

1967

Aphorismen und Betrachtungen

Autobiographisches

1968

Jugend in Wien

Tagebuch

1981

Tagebuch 1909-12

1983

Tagebuch 1913-16

1985

Tagebuch 1917-19

1987

Tagebuch 1879-92

1989

Tagebuch 1893-1902

Briefe

1981

Briefe 1875-1912, hg. v. Therese Nickl u. Heinrich Schnitzler, Frankfurt/M.: Fischer

1984

Briefe 1913-1931, hg. v. Peter Michael Braunwarth u.a., Frankfurt/M.: Fischer

Werkausgaben

1912

Gesammelte Werke in zwei Abteilungen, Berlin: S. Fischer (7 Bde.)

1922

Gesammelte Werke in zwei Abteilungen. Neuausgabe, Berlin: S. Fischer (9 Bde.)

1928

Gesammelte Schriften. Erste Abteilung: Die erzählenden Schriften, Berlin: S. Fischer (6 Bde.)

1948ff.

Gesammelte Werke in Einzelbänden, Amsterdam: Bermann-Fischer: Querido

1961

Gesammelte Werke. Die erzählenden Schriften, Frankfurt/M.: Fischer (2 Bde.)

1962

Gesammelte Werke. Die dramatischen Werke, Frankfurt/M: Fischer (2 Bde.)

1977

Entworfenes und Verworfenes. Aus dem Nachlaß, hg. v. Reinhard Urbach, Frankfurt/M.: Fischer

2009ff.

Frühwerk (1880–1904). Hist.-krit. Ausgabe, hg. v. Konstanze Fliedl u.a., Berlin: de Gruyter

2013ff.

Digital Critical Edition of Middle-Period Works (1905–1913), hg. v. Andrew Webber u.a.

2015ff.

Digitale historisch-kritische Edition des Spätwerks (1914–1931), hg. v. Wolfgang Lukas und Michael Scheffel


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